Feuerlegen in der Steppe zur Rasenerhaltung

Ab Mai beginnt das "Projekt zum Erhalt des Steppenrasens mit Landschaftspflege" bei Elxleben, Herrnschwende, Kleinbrembach, Tunzenhausen. Ein regionales Vermarktungskonzept zwischen Schäfern, Ziegenhaltern, Gaststätten, Hofläden wird aufgebaut.

Die Freiwilligen Feuerwehren Elxleben und Kühnhausen hatten Obacht über das Landschaftspflegefeuer am nördlichen Steinberg. Foto: EU-Life-Projektbüro

Die Freiwilligen Feuerwehren Elxleben und Kühnhausen hatten Obacht über das Landschaftspflegefeuer am nördlichen Steinberg. Foto: EU-Life-Projektbüro

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Landkreis. Der Herrnschwender Trockenrasen "wächst" in kleinem Maßstab in Pappmaché. Mit Informationstexten ergänzt, gehört dieses Exponat zu der ab Mai im Erfurter Naturkundemuseum zu erlebenden Ausstellung über das EU-Life-Projekt "Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens".

Seit 2009 haben die vier Projektmitarbeiter ihr Büro in Sömmerda. Weil der Landkreis sozusagen mittendrin liegt in der Thüringer "Steppe". Die Brembacher Weinberge, der Kahle Berg und der Drachenschwanz bei Tunzenhausen, Trockenrasengebiete bei Elxleben/Witterda, die Hohe Schrecke, der Moorberg und Ziegenbeil bei Battgendorf gehören neben dem Trockenrasenkomplex bei Herrnschwende zu den 13 Projektgebieten.

"Bei Herrnschwende läuft gerade auf rund acht Hektar die manuelle Entbuschung, also das Freischneiden von Gehölzaufwuchs", berichtet der Projektleiter Dr. Henryk Baumbach. "Das Gleiche geschah in diesem Winter auf 31 Hektar an den Brembacher Weinbergen."

Bevor es den wilden Büschen und Gewächsen fachmännisch an den Kragen ging, wurde dies unter anderem mittels Luftbildern, Karten und Detailabsprachen in den Weinbergen gut vorbereitet. Die geografische Lage sowie die meteorologischen Bedingungen bereiteten den Mitarbeitern der Landschaftsfirmen auf den gefrorenen, dann matschigen Hängen dennoch einige Schwierigkeiten. Eine sogenannte manuelle Entbuschung sei auch finanziell recht aufwendig, weiß der Projektleiter. Je nach Voraussetzungen kostet sie 2500 bis 6000 Euro pro Hektar, sagt er.

Wildwuchs brennt mit Sondergenehmigung

Eine neue - eigentlich eine früher häufig genutzte und dann verpönte und verbotene - Methode wandten Projektmitarbeiter jetzt am Trockenrasengebiet bei Kühnhausen, Elxleben und Witterda an. Sie "kokelten" Wildwuchs ab. Natürlich, versichert Dr. Baumbach, in Vorbereitung, Zusammenarbeit und Absicherung mit den Unteren Naturschutzbehörden des Landkreises Sömmerda und der Stadt Erfurt, den Feuerwehren Kühnhausen und Elxleben sowie mit Ausnahmegenehmigung. 14 Tage früher sollte sich nun das typische Trockenrasengrün durch das lichtere Umfeld schieben. Und die Projektmitarbeiter wollen gezielte, kontrollierte Feuer zur alternativen Landschaftspflege in Trocken- und Steppenrasen wieder salonfähig machen.

Auf den so oder so vorbereiteten Trocken- und Steppenrasenflächen ist freiere Bahn für Haarpfriemgras, Graslilien, Federgras oder Dänischen Tragant. Eine raschere Verbreitung dieser typischen Zeigerpflanzen sei bereits auszumachen, freuen sich die Projektmitarbeiter.

Sie müssen nicht nur der Europäischen Union spätestens Ende 2014 Rechenschaft ihres Tuns und Planens ablegen, sondern die aufwendigen Pflegemaßnahmen ebenso gegen Einwände verteidigen. Landwirte befürchten, dass wieder Ackerfläche verloren gehen. Jäger sagen, dass verbuschtes Gehölz Rückzugsgebiet für Wild ist. Naturfreunde finden, dass die Ackerebene das waldärmste Gebiet ist und man darum alle Bäume stehen lassen solle. Am Drachenschwanz etwa müsste nach Ansicht der Projektmitarbeiter ein junger Robinienwuchs weg. Das geht nur mit Absprachen mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Damit nach Projektende über die Pflegearbeiten nicht rasch wieder "Gras drüber wächst", sind einvernehmliche und dauernde Partnerschaften gefragt. "Wir versuchen für alle Flächen eine Beweidung mit Schafherden, möglichst noch mit ein paar Ziegen, zu finden", so Dr. Baumbach. Um die wirtschaftlich derzeit nicht eben rosige Situation der Schäfer etwas aufzubessern, wollen die Projektmitabeiter noch in diesem Jahr ein Vermarktungskonzept zwischen Schäfern, Ziegenhaltern, Gaststätten, Hofläden etc. aufbauen.

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