Geheimnis des Thüringer Waldelefanten gelüftet

Weimar  Die ausgestorbenen Tiere standen auf der Speisekarte der Urmenschen. Ihr Stammbaum weist überraschend nach Afrika

Rekonstruktion des Skeletts des Europäischen Waldelefanten auf Grundlage der Funde von Neumark-Nord

Rekonstruktion des Skeletts des Europäischen Waldelefanten auf Grundlage der Funde von Neumark-Nord

Foto: Zeichnung Karol Schauer

Goethe war hellauf begeistert. "So haben wir ganz nahe bei Weimar treffliche fossile Knochen neuerdings entdeckt", hielt der er 1819 fest, "mit Resten von Elephanten". Bereits etliche Jahre zuvor hatte sich der Dichter für Fossilien der Dickhäuter zu interessieren begonnen. Vor allem der Aufbau ihrer Schädel begeisterte ihn.

Doch erst jetzt geben die im Steinbruch Weimar-Ehringsdorf geborgenen Knochen ihr letztes Geheimnis preis. Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts und der Universität Potsdam haben das Erbgut der Waldelefanten entschlüsseln können.

Funde in einstigem Jagdlager von Neandertalern

Die vor etwa 100 000 Jahren ausgestorbene Art ist demnach eng mit dem afrikanischen Elefanten verwandt. Bislang war der Waldelefant auf Basis von Analogien der Knochen als naher Verwandter des asiatischen Elefanten eingestuft worden. Die Forscher untersuchten Fossilien von vier Waldelefanten, darunter drei aus dem Geiseltal (Sachsen-Anhalt). Die älteste Probe ist 240 000 Jahre alt; sie stammt aus Ehringsdorf. Auch noch ältere Elefanten-Fossilien aus Bilzingsleben (Landkreis Sömmerda) wurden untersucht. Allerdings, so sagt Genetiker Matthias Meyer, ließ sich deren DNA nicht feststellen.

Die Weimarer Funde gelangen im Umfeld eines einstigen Jagdlagers von Neandertalern. Der jetzt untersuchte Knochen wurde vor zwei Jahren geborgen. Der Archäologe Tim Schüler hatte ihn bei einer routinemäßigen Untersuchung neu gebrochener Steine entdeckt.

Wo sich heute in Ehringsdorf Fels und Geröllhalden breit machen, weitete sich einst ein Tal zur nahegelegenen Ilm. Eichen und Haselbüsche bestanden die parkartige Landschaft.

Neandertaler erlegten erwachsene Tiere

Die Steinzeit-Menschen müssen die Gegend als ideales Jagdrevier begriffen haben. Immer wieder schlugen sie hier ihr Lager auf. Zumindest für sieben Jahre ließen sich Aufenthalte nachweisen. Vor allem auf Nashörner und Elefanten hatten es die Jäger abgesehen.

Das Überraschende dabei: Die Neandertaler erlegten nicht bevorzugt Kälber, sondern erwachsene Tiere. Archäologen werten dies als sicheres Indiz für die Existenz einer ausgeprägten Kommunikation und von vorausschauendem Denken. Ohne diese Voraussetzungen wäre eine Großwildjagd unmöglich.

Ausgewachsene Waldelefanten hatten eine Schulterhöhe von vier Metern. Sie waren damit größer als heutige Elefanten.

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