Gnadenfrist für die Wölfin - Abschuss des Ohrdrufer Tieres derzeit kein Thema

Erfurt  Die Jagd auf Thüringens einzige Wölfin ist vorerst abgeblasen. Derzeit sei der Abschuss des Raubtieres kein Thema, bestätigte das Thüringer Umweltministerium auf Anfrage. Die Wölfin hatte erst kürzlich einen Elektrozaun übersprungen und zwei Schafe sowie eine Ziege gerissen.

Noch immer halten sich hartnäckig die Märchen vom bösen Isegrim. Symbolfoto: Alexander Heinl/dpa

Noch immer halten sich hartnäckig die Märchen vom bösen Isegrim. Symbolfoto: Alexander Heinl/dpa

Foto: Alexander Heinl/dpa

„Die Voraussetzung für eine Entnahme des Wolfes sind nicht gegeben, bislang liegt auch kein offizieller Antrag eines Schäfers vor“, erklärte am Donnerstag Sprecher Tom Wetzling mit Verweis auf das Bundesnaturschutzgesetz. Zuvor hatte jedoch Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) gegenüber MDR Thüringen eingeräumt: „Wenn es tatsächlich so ist, dass der Wolf den optimalen Schutz überwindet, werden wir zur Tat schreiten .“ Die Wölfin, die seit 2014 rund um Ohrdruf streift, hatte erst kürzlich einen auf 1,20 Meter aufgerüsteten Elektrozaun übersprungen und zwei Schafe sowie eine Ziege gerissen.

Die Diskussion um Canis lupus wird seit Wochen verstärkt emotional geführt. Die CDU-Fraktion hat sich schon mehrfach für den Abschuss des Problemwolfes ausgesprochen. Die grüne Umweltministerin Anja Siegesmund hielt bislang immer dagegen: „Wer dazu aufruft, Jagd auf den Wolf zu machen, ruft zu einer Straftat auf.“

Das überraschende Vorpreschen des Umwelt-Staatssekretärs lässt beim Thüringer Naturschutzbund (Nabu) alle Alarmglocken schellen: „Wölfe dürften nur abgeschossen werden, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für den Menschen besteht“, sagte Nabu-Wolfsexperte Silvester Tamás. Aktuell sei dies aber nicht der Fall. „Sollte es also tatsächlich zur Tötung kommen, wäre dies ein Armutszeugnis für den Artenschutz in Thüringen“, so Tamás weiter.

Zumal gerade zehn neue Fotofallen zur Überwachung der einsamen Wölfin installiert werden und Ministerin Siegesmund angekündigt hat, in der Landesanstalt für Umwelt und Geologie den Bereich Beratung, Datenerfassung und Rissbegutachtung personell aufstocken zu wollen. 70.000 Euro sind allein für ein kombiniertes Wolf- und Luchs-Monitoring vorgesehen - ohne Canis lupus aber wäre die ganze Mühe nur für die Katz.

Abstammung

  • Die Ohrdrufer Wölfin ist laut ihrer genetischen Herkunft die Enkelin einer der ersten in Freiheit geborenen Wölfe Deutschlands nach der Ausrottung der Beutegreifer im 19. Jahrhundert.
  • Sie kam 2014 aus der Lausitz und entstammt damit einer der ältesten Wolfsfamilien in Deutschland.
  • Allein in diesem Jahr wurden in Thüringen über 70 Schafe und Ziegen von dem Raubtier gerissen.

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