Grüne befragen 100 Firmen nach Ölverbrauch - keine antwortet

Erfurt. Die weltweit schwindenden Ölvorkommen werden nach Auffassung des energiepolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion, Dirk Adams, schon bald ernsthafte Folgen nach sich ziehen.

Hier lagert Thüringens größter Ölvorrat: Das Tanklager der Unitank Holding an der A 4. Mit fast 330.000 Kubikmeter Inhalt ist es deren größtes Lager. Archivfoto: Marco Kneise

Hier lagert Thüringens größter Ölvorrat: Das Tanklager der Unitank Holding an der A 4. Mit fast 330.000 Kubikmeter Inhalt ist es deren größtes Lager. Archivfoto: Marco Kneise

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"Die abnehmende Verfügbarkeit dieses Energieträgers gefährdet die bisherige Basis unseres Wirtschaftssystems", so Adams. Gestern legte er eine Studie vor, die von der grünen Landtagsfraktion in Auftrag gegeben wurde - und zu gleichlautender Auffassung gelangt.

Öl schmiert Motoren und Geschäfte von Industrie und Handel in Thüringen. 2011 - jüngere Zahlen liegen noch nicht vor - wurden landesweit 1,79 Millionen Tonnen Mineralölprodukte verbraucht, vor allem Kraftstoffe beziehungsweise Heizöl. Die Gesamtmenge entspricht 804 Kilogramm Mineralöl pro Kopf - vom Säugling bis zum Greis.

Doch seit 2005 ist die weltweite Ölfördermenge nicht mehr gestiegen. Vermutlich schon in 20 Jahren werde kein Förderzuwachs mehr möglich sein, so auch die Prognose der Bundesanstalt für Geowissenschaften: "Öl ist der einzige nicht erneuerbare Energierohstoff, bei dem in den kommenden Jahrzehnten eine steigende Nachfrage nicht mehr gedeckt werden kann."

Ist Thüringen darauf vorbereitet? Als im Februar vor zwei Jahren Ägypten auf die Barrikaden ging, zeigte sich IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser besorgt. Die instabile Lage rund um den Suez-Kanal könne den Ölpreis in die Höhe treiben - mit allen negativen Folgen für die Wirtschaft auch in Thüringen. Denn acht Prozent des globalen Öltransports erreicht Europa durch dieses Nadelöhr.

Im Mai 2012 waren es die Ostthüringer Kollegen, die vor einem anhaltend hohen Ölpreis warnten. Spritpreise von 1,75 Euro im Maximum würden jedes Lohnplus auffressen. Das gefährde hierzulande die Konsumfreude der Verbraucher.

Und als die Autoren der Grünen-Studie jetzt bei den hundert größten Thüringer Unternehmen nach der Bedeutung des Öls für die heimische Wirtschaft nachfragten, habe "kein einziges geantwortet", sagt Verfasser Norbert Rost vom Dresdner Büro für postfossile Regionalentwicklung. "Oft dachten die kontaktierten Mitarbeiter nur an Heizöl und haben uns in die Einkaufsabteilung verwiesen."

Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe

Laut Adams ist es vor allem die Abhängigkeit vom Öl als Kraftstoff im Straßenverkehr, die Thüringen verletzlich macht. Zwar sei der Verbrauch von Mineralöl in Thüringen der Studie zufolge im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte um ein gutes Fünftel zurückgegangen. Doch hängen Transportwesen Pendlerverkehr, Industrie, Landwirtschaft allesamt am Öl.

Für Dirk Adams liegt hier ein Schwerpunkt künftiger grüner Politik. Der bisherigen Förderung der Exportwirtschaft, will er die "Betonung dezentraler Strukturen nicht nur im Energie- sondern auch im Wirtschaftsbereich" entgegensetzen. Regionale Wirtschaftskreisläufe sollten über Pilotprojekte und finanzielle Anreize gefördert werden. So könnten etwa landwirtschaftliche Großmaschinen auf den Betrieb mit Pflanzenölen umgestellt werden. "Das hilft auch den heimischen Ölmühlen", sagt er. Die Gesamtkosten des Wirtschaftsumbaus konnte Adams gestern nicht beziffern.

Im Grundsatz hält das Thüringer Wirtschaftsministerium diese Initiative für richtig. "Ein Umstieg von fossilen auf regenerative Energien und Kraftstoffe und mehr Energieeinsparung bleiben notwendig, sowohl aus Umwelt- und Klimaschutzgründen als auch auch aus wirtschaftlichen Gründen", so ein Sprecher. Doch sei die gezielte Ansiedlung von Firmen im ländlichen Raum, wie in der Grünen-Studie angeregt, kein geeignetes Mittel. "Weder eine schnelle Verlagerung von Firmen ist denkbar, noch wollen wir Firmen Vorschriften dazu machen, wo sie sich ansiedeln sollen. Wirtschaftliche Aktivitäten konzentrieren sich immer auf bestimmte Zentren, weil nicht jede Infrastruktur überall vorgehalten werden kann."

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