Forstarbeiter entfernen Hunderttausende Fichten aus den Wäldern

Hummelshain  Wegen der Trockenheit sterben aktuell Millionen Bäume in Thüringens Wäldern ab. Die Forstarbeiter haben mit der Bergung begonnen – doch einem Botaniker zufolge sollten sie nicht das gesamte Totholz aus den Wäldern holen.

Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten.

Vom Borkenkäfer zerstörte Fichten.

Foto: Julian Stratenschulte

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wegen Borkenkäferbefalls werden nach Informationen der Thüringer Landesforstanstalt noch dieses Jahr Hunderttausende Fichten aus den Wäldern im Freistaat entfernt.

Diese Zahl nannte der Sprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann, auf Anfrage. In den betroffenen Forstämtern seien momentan Unternehmen unterwegs, die mit Erntemaschinen im Regelfall im Zweischichtdienst die befallenen Fichten entfernen, sagte Sproßmann vor dem Thüringer Waldgipfel am Samstag.

Im Fall der von Trockenheit betroffenen Buchen im Freistaat sollen Sproßmann zufolge noch dieses Jahr Tausende aus den Waldgebieten vor allem in Nordthüringen entfernt werden. Allerdings nur jene, die etwa entlang von Waldwegen eine Gefährdung für den Menschen sind, weil Teile herunterbrechen könnten.

Nach Ansicht des Botanikers Christian Wirth ist es aber wichtig, nicht das gesamte Totholz aus den Wäldern zu schaffen. „Für die Biodiversität ist Totholz ungemein wichtig“, sagte er. 40 Prozent der Organismen im Wald leben demnach davon.

Fünf bis sechs Millionen Fichten sind Opfer des Borkenkäfers

„Außerdem ist Totholz ein wichtiger Kohlenstoffspeicher“, sagte Wirth, der Direktor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig ist. „Typischerweise ist es so, dass das Holz, wenn es im Wald liegt, länger das CO2 speichert, als wenn es in die Verwendung kommt.“

Gleichzeitig beschrieb er es als nachvollziehbar, „dass man jetzt bei diesen großen Schadbildern nicht die ganze Fichte dort einfach liegen lässt.“

Am Samstag und Sonntag findet in Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis) der zweite Thüringer Waldgipfel statt. Unter anderem sind eine Meisterschaft der Rückepferde und ein Schrotsägewettkampf geplant. Doch auch die aktuellen Probleme der Wälder bestimmen das Programm.

Schätzungen zufolge werden in Thüringen allein bis Jahresende etwa 600.000 Buchen wegen Trockenheit absterben und fünf bis sechs Millionen Fichten Opfer des Borkenkäfers. Im August hatte die Landesregierung ein Nothilfeprogramm beschlossen, das für die Bergung kranker und abgestorbener Bäume sowie für die Pflanzung von 200 Millionen Bäumen in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen vorsieht.

„Ein System mit mehr Arten ist stabiler“

Teilweise habe man in Thüringen schon mit der Aufforstung kahler Waldflächen begonnen, sagte Sproßmann. Vor allem im kommenden Frühjahr soll intensiv gepflanzt werden - hauptsächlich klimarobuste Eichen. „Zweieinhalb Millionen Eichenpflanzen sind schon in unserer Forstbaumschule bevorratet“, so Sproßmann.

Doch um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssen sich Wirth zufolge mindestens drei unterschiedliche Baumarten in den Waldgebieten mischen. „Ein System mit mehr Arten ist stabiler angesichts von Trockenheit als eine Monokultur», sagte er. Es gebe einige trockenheitsresistente Arten, die dafür in Betracht kommen, neben der Eiche etwa die Linde. Außerdem sollte seiner Ansicht nach die Forschung zu ökologisch verwandten Baumarten aus wärmeren Nachbarregionen intensiviert werden, um zu überprüfen, ob sie für die Wälder in Deutschland in Betracht kommen könnten.

Nicht nur in Thüringen gibt es wegen der Trockenheit schwere Waldschäden. Am 25. September wollen Bund und Länder zu einem „Waldgipfel“ zusammenkommen. Wirth kritisierte das Krisenmanagement allgemein als zu langsam.

„Mir kommt es schon ein bisschen so vor, als ob wir das in Deutschland ziemlich lange verdrängt haben“, sagte er. „Dass wir großflächige, trockenheitsbedingte Waldsterbensphänomene haben, ist ein weltweites Phänomen, das wir schon über zehn Jahre beobachten.“

Thüringenforst beantragt Hilfe: Bundeswehr soll Baumkronen sprengen

Nothilfeprogramm für Waldrettung in Thüringen - 500 Millionen Euro in zehn Jahren

Waldsterben wird zum zentralen Wahlkampfthema in Thüringen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.