Kompromiss-Suche für Wege durch das Alperstedter Ried

Im Flurbereinigungsverfahren geht es jetzt um die Wege durch und um das größte Kalkflachmoor im Thüringer Becken.

Das Alperstedter Ried ist ein Kalkflachmoor. Der Weg von Alperstedt nach Haßleben tangiert das Gebiet und gehört zum jetzt diskutierten Wege- und Gewässerplan. Foto: Katrin Müller

Das Alperstedter Ried ist ein Kalkflachmoor. Der Weg von Alperstedt nach Haßleben tangiert das Gebiet und gehört zum jetzt diskutierten Wege- und Gewässerplan. Foto: Katrin Müller

Foto: zgt

Alperstedt. Einstimmig haben die Alperstedter Gemeinderäte jetzt den sogenannten Neugestaltungsgrundsätzen im Flurbereinigungsverfahren für das Naturschutzgebiet Alperstedter Ried zugestimmt. Allerdings mit Ausnahmen; etwa dem Verbindungsweg zwischen Alperstedt und Haßleben.

Der landwirtschaftliche Weg sollte nämlich nach den Plänen des Gothaer Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung zunächst in Bitumen ausgebaut werden. "Das kommt für uns nicht in Frage", unterstreicht Alperstedts Bürgermeister Peter Hehne. "Weil ein ausgebauter Weg sofort den Verkehr zwischen Haßleben und Alperstedt heranzieht."

Bislang erreicht man als Autofahrer die eigentlich benachbarten Orte entweder über Riethnordhausen, Nöda, Stotternheim oder "oben" über Vehra, Straußfurt, Wundersleben, Tunzenhausen, Sömmerda, Schloßvippach und Großrudestedt. So ein Bitumenweg wäre quasi ein gefundenes Fressen für alle Motorisierten. "Und wir in Alperstedt sind sowieso durch den Kiesabbau schon vom Verkehr belastet", beklagt der Bürgermeister.

Nun soll vor allem mit den Landwirtschaftsbetrieben ein Kompromiss gefunden werden, der das eine zulässt und das andere nicht anlockt und verstärkt. Vielleicht, so der Bürgermeister, werde der Weg geschottert oder nass gebunden und nur die letzten 200 Meter vor dem Ortseingang betoniert.

Solcherart Kompromisse zu suchen und zu finden, ist eigentlich das wichtigste Anliegen bei dem Flurneuordnungsverfahren für das größte Kalkflachmoor im Thüringer Becken, über das unsere Zeitung bereits ausführlich berichtete. Denn vor allem durch Entwässerungsgräben ist das geschützte Moor an einigen Stellen gar kein Moor mehr. Die Stiftung Naturschutz plant die Wiederherstellung der hydrologischen Verhältnisse. Dafür wurden bereits 52 Hektar Fläche erworben, wie Sonja Leber von dem das Verfahren leitenden Gothaer Amt auf TA-Anfrage mitteilt. Weitere 72 Hektar stellt der Freistaat Thüringen. Und die restlichen etwa 20 Hektar sollen im Flurbereinigungsverfahren - vereinfacht gesagt: Flächentausch - erbracht werden.

"Und gegenwärtig erfolgt in diesem Verfahren die Aufstellung des Wege- und Gewässerplanes, der das Baurecht für die vor Ort durchzuführenden Wegebau-, Wasserbau- und Kompensationsmaßnahmen begründet", so Sonja Leber. Um die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen, gibt es auch Besichtigungstermine im Ried. Jüngst etwa mit Alperstedtern und Naturschützern, die für einen Knüppelweg durchs Moor sind.

Ein wichtiger Punkt sei die Sicherstellung der Finanzierung der Baumaßnahmen. "Klar ist bereits jetzt, dass der Freistaat Thüringen 80 Prozent der zur Ausführung der Maßnahmen benötigten Kosten trägt", so die Vertreterin des Amtes.

Nun muss man sich "nur" noch einig werden, was wo und wie gebaut wird. Für einen Ausbau eines Weges nördlich der großen Gewächshäuser, für eine Fahrradsstation und für den Knüppelweg gibt es selbst im Alperstedter Gemeinderat unterschiedliche Vorstellungen, sagt Bürgermeister Peter Hehn. "Ich bin dafür, dass man das Moor etwa über einen Knüppelweg in Grenzen wirklich erlebbar macht. Denn nur was man kennt, das schützt man auch."

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