Nabu: Jagd auf Wolfsmischling muss wieder beginnen

Ohrdruf  Die Wege der Ohrdrufer Wölfin und ihres Nachwuchses sind inzwischen bekannt. Das macht die Fangaktion deutlich einfacher.

Silvester Tamás ist Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf beim Nabu und koordiniert für Thüringen das Monitoring zu Luchs und Wolf.

Foto: Simone Schulter

Die im Frühjahr vom Umweltministerium unterbrochene Jagd auf die Mischlingswelpen der Wölfin von Ohrdruf soll wieder aufgenommen werden. „Das muss jetzt möglichst schnell passieren“, forderte Silvester Tamas vom Naturschutzbund Nabu gestern gegenüber unserer Zeitung. Das Jungtier müsse wahrscheinlich zunächst mit einer Kastenfalle eingefangen werden. „Danach muss das Ministerium entscheiden, ob der Hybride verbracht oder abgeschossen wird“, so Tamas.

Im vorigen Jahr hatte das Umweltministerium den Bärenpark Worbis für knapp 100 000 Euro ausbauen und mit hohen Stahlzäunen sichern lassen, um eingefangene Mischlingstiere dort unterbringen zu können.

Von den sechs Welpen, die die Wölfin im Mai 2017 zur Welt brachte, lebt offenbar nur noch ein Rüde im Raum Ohrdruf im Jagdrevier des Muttertiers. Drei Wolfsmischlinge wurden von einem vom Ministerium beauftragten Berufsjäger getötet, zwei Hybriden sind verschwunden.

Fotofallen enttarnen die Wege der Hybriden

Die Wahrscheinlichkeit, den Hybriden zu fangen, ist gegenüber dem Vorjahr offenbar deutlich gestiegen. Durch ein dichtes Netz von Fotofallen im Bereich des Ohrdrufer Militärgeländes wisse man nun genau, wo die Wölfin und der Mischlingsrüde regelmäßig langlaufen. „Wir kennen die Wege“, so Tamas.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Es ist damit zu rechnen, dass der Hybride bald fortzieht, ein Revier gründet, sich paart. Reproduziert würden wiederum Tiere, die keine reinrassigen Wölfe wären. Das widerspräche den Zielen des Wolfsartenschutzes zu hundert Prozent.

Tamas hält es für wahrscheinlich, dass der Mischlingsrüde schon jetzt die Entwicklung der Wolfspopulation in Thüringen negativ beeinflusst hat. „Wir wissen, dass ein jünger Wolfsrüde aus Bayern durch Thüringen gezogen ist, gar nicht weit entfernt von dem Revier der Wölfin. Es ist gut möglich, dass der Hybride diesen jungen Wolf vergrämt hat, so dass es zu keiner Paarung mit der Wölfin kam“, erläutert Nabu-Wolfsexperte Tamas.

Zweifel am Rudel in Tambach-Dietharz

Inzwischen überwiegen die Zweifel, dass im Raum Tambach-Dietharz – nicht weit von Ohrdruf – ein aus bis zu sieben Wölfen bestehendes Rudel lebe. „Ich halte dies für ausgeschlossen“, betonte gestern Achim Schneider, stellvertretender Leiter der Herzoglichen Forstverwaltung Sachsen-Coburg-Gotha, gegenüber unserer Zeitung. „Von einem solchen Rudel hätte man schon früher etwas gehört. „Außerdem zeigt das Wild kein auffälliges Verhalten“, betonte Schneider. Normalerweise ist es so: Aus Angst vor dem Wolf reagieren beispielsweise Rehe mit der Bildung von Großrudeln. „So etwas wurde hier nicht beobachtet“, berichtet Achim Schneider.

Fest steht, dass Fotofallen in einem privaten Jagdrevier bei Tambach-Dietharz zumindest einen Wolf abgelichtet haben. Die drei bisher bekannten Nachtaufnahmen datieren vom Januar, vom April und zuletzt vom 9. Mai dieses Jahres. Unklar ist, ob auf einem oder mehreren Fotos die Wölfin von Ohrdruf zu sehen ist oder ein anderer Wolf. Dass auf den in der kalten Jahreszeit entstandenen Bildern der Wolf mächtiger wirkt als die relativ zierliche Ohrdrufer Wölfin, könnte auch an ihrem Winterfell liegen.

Der bei Tambach tot aufgefundene Hirsch ist ebenfalls kein Indiz für die Existenz eines Rudels. Auch ein Wolf, der 40 Kilo wiegt, kann unter Umständen einen 150 Kilogramm schweren Hirsch reißen. Der Respekt des Wolfes vor einem ausgewachsenen Hirsch ist zwar groß, aber wenn er im Februar sein Geweih abwirft, ist er im Frühjahr deutlich wehrloser, als wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte wäre.

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