Naturdenkmal bei Hopfgarten ist Thüringens schönste Winterlinde

Hopfgarten  Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ehrte gestern Vormittag den Einsender des Wettbewerbs-Vorschlages

Matthias Wierlacher, der Landesvorsitzende der SDW Thüringen (rechts), gratulierte Einsender Robert Frohwein gestern vor dem Sieger-Baum. Foto: Michael Grübner

Foto: zgt

Vom „Städte­kette“-Radweg zwischen Weimar und Erfurt kann man sie am besten bewundern: Die schönste Winterlinde Thüringens steht mitten in der Feldflur zwischen Hopfgarten und Ulla. Seit gestern Vormittag ist der Titel ein offizieller: Der Landesverband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sucht in jedem Jahr mit öffentlicher Ausschreibung das schönste Exemplar jener Art, die zuvor zum „Baum des Jahres“ gekürt wurde, im Freistaat. Unter den neun Einsendungen, die vor einigen Wochen eingingen, votierte die große Mehrheit des SDW-Landesvorstandes für die Winterlinde bei Hopfgarten. Der Einsender des Vorschlages, Robert Frohwein, bekam gestern vor Ort eine Urkunde und das Buch „Sagenhafte Bäume in Thüringen“ als Anerkennung.

Frohwein ist ein Mann vom Fach: Der 37-jährige Obergrun­stedter arbeitet als Revierförster in Egstedt bei Erfurt und ist zudem Jäger in einem Revier bei Nohra. Die Winterlinde bei Hopfgarten gehört zwar weder zum einen noch zum anderen, aber ein so herausragender Baum prägte sich dem naturbegeisterten Mann dennoch ein. So sehr, dass er sofort an ihn dachte, als er die SDW-Ausschreibung in die Hände bekam.

„Was ich aber nicht genau wusste: Ist das überhaupt eine Winterlinde oder nicht doch eher eine Sommerlinde?“, räumt Frohwein ein. Er fuhr umgehend hin, um das zu prüfen. Für ihn kein Problem, für den ungeübten Laien hingegen durchaus: Blätter und Früchte der Winterlinde sind kleiner als die der Sommer-Verwandtschaft, die Früchte lassen sich zudem zerdrücken, was bei denen der Sommerlinde nicht möglich ist. Weiteres Erkennungsmerkmal: Die Winterlinde ist der am spätesten blühende einheimische Baum. Erst Ende Juni oder Anfang Juli, je nach klimatischer Lage, locken ihre Blüten die Bienen an.

Der Baum bei Hopfgarten ist seit 1990 ein Naturdenkmal und hat als solches sogar einen eigenen Namen: „Linde an der Ullaer Marke“. Kein Wunder angesichts seiner Ausmaße: rund 27 Meter hoch, knapp fünf Meter Stamm-Umfang. Dass er so prächtig gedeihen konnte, ist der Lage zu verdanken: Das ringsum liegende Feld, aktuell bewirtschaftet von Landwirt André Kalb, dient schon seit ewigen Zeiten hauptsächlich zum Getreide-Anbau und bekommt entsprechend regelmäßig Dünger. Dank dieser paradiesischen Bedingungen ist die Linde nicht nur groß, sondern auch stabil – es gibt nur einen sichtbaren Bruchschaden. Allerdings erschwert es die exponierte Lage auch, das Alter des Baumes zu schätzen. „Mindestens hundert Jahre“, sagt SDW-Mitarbeiter Bernd Wienrich. „Deutlich mehr. Schon mein Großvater kannte die Linde“, versichert der Hopfgartener Rentner Jürgen Kalb. Zum Vergleich:

Der zweitplatzierte Baum, er steht auf einem Kita-Gelände im südthüringischen Rieth, ist „nur“ 21 Meter hoch und 180 Jahre alt. Platz drei erkannte der SDW-Landesvorstand einem Baum quasi vor seiner Geschäftsstellen-Haustür zu – der sogenanngen „Zigeunerlinde“ in Seebach bei Ruhla.

Die spätsommerliche Vormittagshitze gestern war für Robert Frohwein übrigens ein wenig ungewohnt: Der Vorschlags-Einsender war erst am Tag zuvor aus dem Urlaub zurückgekommen – drei Wochen lang hatte er auf einer geführten Tour Alaska erkundet. Bei maximal 15 Grad.

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