Strafanzeigen gegen Ministerin: Tierschützer wollen die beiden letzten Wolfshybriden retten

Ohrdruf  Zwei Vereine aus Gotha und Sachsen gehen nach dem Abschuss von drei Mischlingen mit Strafanzeigen gegen Umweltministerin Siegesmund vor.

Die Wölfin von Ohrdruf, vor allem aber ihr Nachwuchs aus der Paarung mit einem Hund, heizen die Gemüter von Naturschützern an.

Die Wölfin von Ohrdruf, vor allem aber ihr Nachwuchs aus der Paarung mit einem Hund, heizen die Gemüter von Naturschützern an.

Foto:  S.Böttner, dpa

Die Erschießung von drei der sechs Ohrdrufer Wolfshybridenhat für Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ein juristisches Nachspiel.

Zwei Tierschutzverbände aus Thüringen und Sachsen haben bei der Staatsanwaltschaft Erfurt Strafanzeige gegen die Ministerin sowie öffentlich unbekannte Schützen erstattet. Sie hätten sich „gemeinschaftlich handelnd und somit vorsätzlich der Tötung der in Thüringen gezeugten und lebenden Wolfsmischlingswelpen schuldig gemacht“, kritisierte gestern der 79-jährige Harald von Fehr aus Gotha, Gründer der Unabhängigen Tierschutz-Union Deutschlands.

Die „Anstiftung, Beauftragung und Tötung unter strengstem EU-Artenschutz stehender Wildtiere“ sei „ohne jeglichen vernünftigen Grund“ geschehen, ist von Fehr überzeugt. Deshalb sei mehrfach gegen deutsches sowie EU-Recht verstoßen worden, außerdem gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. Ähnlich sieht es der zweite Anzeigenerstatter, der Verein Wolfsschutz Deutschland aus Neißeaue bei Görlitz.

Das Thüringer Umweltministerium sieht sich dennoch im Recht, wenngleich es einräumt: „Grundsätzlich sind die Hybriden genauso geschützt wie ihre Mutter.“ Die ist zweifelsfrei eine Wölfin.

Allerdings, so das Ministerium, gebe es eine Ausnahmeregelung, nach der es erlaubt sei, Wolfshybriden zu töten. Der fachliche Hintergrund für die Erschießung der Ohrdrufer Tiere sei der „Schutz des Wolfes vor dem schädigenden Einfluss der Hundegene“ gewesen. Um die Reinrassigkeit der Wolfspopulation nicht zu gefährden, habe auch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes die Ausnahme vom Tötungsverbot empfohlen, teilte das Ministerium aus Anfrage mit.

Der Jurist und Wolfsspezialist Christian Berge aus Niedersachsen hält die Argumentation des Umweltministeriums gleichwohl für falsch. Hätte es früher und professioneller begonnen, die Wolfsmischlinge einzufangen, hätte vermutlich kein Tier erschossen werden müssen.

Zwei weibliche Hybriden leben vermutlich noch, ein Tier wurde am Sonntag vor einer Woche bei Gotha vom Zug überrollt. Brigitte Sommer, Vereinsvorsitzende von Wolfsschutz Deutschland, würde die Jagd auf die verbliebenen Weibchen gern sofort stoppen – mit einem Eilantrag bei Gericht. In Sachsen hat der Vereins das bereits erfolgreich durchexerziert. Doch in Thüringen gibt es ein Problem: Der Verein Wolfsschutz Deutschland darf in Thüringen vor Gericht nicht selbst agieren. Er benötigt vielmehr einen Kooperationspartner, einen der anerkannten Naturschutzverbände wie den Nabu, den BUND oder die Grüne Liga. Bisher will keiner mit dem Wolfsschutz-Verein kooperieren.

Wolfshybriden: Kosten für Fangaktion sind Thema im Thüringer Landtag