Thüringens Wolf wird ein Fall für die Bürokratie

Erfurt. Nachdem ein Wolf mehrmals in der Nähe des Truppenübungsplatzes in Ohrdruf gesehen wurde, fordern Naturschützer vom Ministerium eine rasche Richtlinie. Bauern wollen eine ausreichende Entschädigung für Schutzbauten.

Ein freilebender Wolf lief vor wenigen Tagen in der Nähe von Bittstädt am Rande des Truppenübungsplatzes Ohrdruf durch den Wald. Das Jungtier wurde inzwischen mehrfach in der Umgebung gesichtet. Foto: S. Böttner

Ein freilebender Wolf lief vor wenigen Tagen in der Nähe von Bittstädt am Rande des Truppenübungsplatzes Ohrdruf durch den Wald. Das Jungtier wurde inzwischen mehrfach in der Umgebung gesichtet. Foto: S. Böttner

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Thüringens Wolf fühlt sich in der Gegend rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf sichtlich wohl. "Er wurde da jetzt mehrfach gesehen", teilte Silvester Tamás am Montag mit. Nur gerissenes Wild wurde noch nicht gefunden. "Wir gehen davon aus, dass das junge Tier erst einmal da bleibt", sagt der Sprecher der Arbeitsgruppe Wolf im Naturschutzbund Nabu.

Damit beginnt nun Phase 2 der Wolfsrückkehr: die Diskussion um Geld, also um staatliche Zuschüsse für Sicherungsbauten zum Schutz von Schafen und Lämmern vor dem Wolf.

"Das Umweltministerium muss zügig eine klare Wolfsschutz-Richtlinie erarbeiten", fordert der Nabu-Mann. Denn bisher sei "nicht geregelt, welche Schutzmaßnahmen der Staat in welcher Höhe zahlt".

Es geht beispielsweise um die Bezahlung von Elektrozäunen zwecks Wolfsvergrämung, um Zaunhöhen, um Untergrabungsschutz. Dass Wölfe vom Boden abhebende Krähen noch in 2,50 Meter reißen, kommt nicht selten vor, weiß Ralf Wettengel, Leiter des alternativen Bären- und Wolfsgeheges Worbis.

Umweltministerium geht von Wanderwolf aus

"Wir erwarten eine vernünf- tige Entschädigungsregelung. Wenn die Gesellschaft den Wolf will, muss sie den Landwirten den Aufwand ersetzen, den sie zum Schutz ihrer Tiere betreiben müssen", erläutert Katrin Hucke die Position des Thüringer Bauernverbandes.

Im Umweltministerium sieht man die Lage noch mit gewisser Gelassenheit. "Hier geht man von einem durchreisenden Wolf aus", heißt es. Für die Erarbeitung der vom Nabu geforderten Richtlinie bliebe somit ausreichend Zeit. Das ergibt sich aus ersten, am sächsischen Vorbild orientierten Überlegungen.

Geplant ist, dass eine Förderung nur beantragen kann, wer in einem Umkreis von 30 Kilometern von einem niedergelassenen Wolf wohnt. Hier allerdings könnte ein Streitpunkt entstehen; denn Thüringen ist nicht Sachsen. Da in Sachsen Wölfe fast überall beheimatet sind, wohnt fast jeder Nutztierhalter in der Nähe eines Wolfes.

In einem Land mit wenigen Wölfen wie Thüringen ist es dagegen nicht immer leicht zu entscheiden, ob der Lebensmittel- punkt des Wolfs in 30 oder 50 Kilometern Entfernung liegt.

Zu regeln ist auch folgendes: Wenn im Wolfserwartungsland Thüringen mit wissenschaftlichem Anspruch in den nächsten Jahren ermittelt werden soll, wo wie viele Wölfe leben, woher sie kommen, wohin sie wandern, was sie fressen, welchen Schaden bei Nutztieren sie verursachen, welchen Vorteil für das ökologische Gleichgewicht sie bringen, dann muss diese aufwendige Arbeit - Wolfsmonitoring genannt - ausreichend un-terstützt, also finanziert werden.

"In Thüringen könnten sich 8300 Jäger und 6000 Nabu-Mitglieder am Wolfsmonitoring beteiligen", weiß Silvester Tamás. Daraus ergebe sich eine sehr gute Beobachtungsgrundlage.

Suche nach Namen

Liebe Leser, nachdem der erste Wolf offiziell in Thüringen gesichtet wurde, sind Sie aufgerufen, dem Neuankömmling einen Namen zu geben. Schreiben Sie eine E-Mail an:

leserbriefe@thueringer-allgemeine. de oder rufen Sie heute von 10 bis 20 Uhr unter folgender Nummer an: (0361) 2 27 51 34.

Die Reportage: Er suchte Orchideen - und traf einen Wolf nahe Ohrdruf

Leitartikel: Wir brauchen den Wolf nicht

Zweiter Wolf in Thüringen gesichtet - Nabu sieht Handlungsbedarf

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