Thüringer Fichte wird zum Verlierer des weltweiten Klimawandels

Die Thüringer Wälder sind auf dem Wege der Besserung. Der Anteil an geschädigten Bäumen ist um etwa vier Prozent gesunken. Erfreulich sei das, sagte Forstminister Jürgen Reinholz (CDU) am Monatg. Er stellte den Waldschadensbericht 2012 vor.

"Im Thüringer Wald hat die Fichte teilweise gute Überlebenschancen, aus den unteren Lagen wird sie aber vermutlich verschwinden", sagte am Montag Horst Sproßmann von der Landesforstanstalt Thüringenforst. Foto: Alexander Volkmann

"Im Thüringer Wald hat die Fichte teilweise gute Überlebenschancen, aus den unteren Lagen wird sie aber vermutlich verschwinden", sagte am Montag Horst Sproßmann von der Landesforstanstalt Thüringenforst. Foto: Alexander Volkmann

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Erfurt. Allerdings sei dieser Rückgang kein Grund, Entwarnung zu geben. Zum einen ist nach wie vor jeder dritte Baum aktuell deutlich erkrankt, zum anderen reichen die Gründe für den schlechten Zustand des Waldes bis zu zehn Jahre zurück.

"Die Abgase aus Straßenverkehr und Industrie sind nicht die alleinige Ursache", sagt die Forst-Expertin Anett Wetzel. Oft sei es auch die Witterung. So haben sich insbesondere die Buchen vom Hitzejahr 2003 nicht erholt. "Buchen leiden an der anhaltenden Trockenheit in Deutschland." In den vergangenen zehn Jahren habe es nur zwei nasse Jahre gegeben, in denen mehr Niederschläge dem Grundwasser zugeführt worden seien als über die Pflanzen entnommen wurden.

Die Trockenheit verursacht Stress bei den Pflanzen und schwächt ihre Widerstandskraft gegenüber Pilzen und schädlichen Insekten. Die Fichte gehört nach der Einschätzung der Landesforstanstalt zu den großen Verlierern des Klimawandels. Neben Veränderungen im Landschaftsbild müsse sich vor allem die Holzindustrie auf starke Umstellungen vorbereiten.

Umweltminister Jürgen Reinholz will einen Zusammenhang mit dem viel debattierten Klimawandel ebenfalls nicht ausschließen. Nicht zuletzt deshalb habe der Thüringer Forst damit begonnen, mediterane Baumarten anzupflanzen. "Vielleicht finden diese Bäume in 100 Jahren ideale Lebensbedingungen in Thüringen vor", so der Minister. Doch die Aussaat von trockenheitsresistenten Tannen bleiben noch Einzelfälle.

"Den Bäumen geht es wie den Menschen"

Etwa 20 Millionen Euro hat die Forstverwaltung in den letzten Jahren in den Waldumbau gesteckt. "Es geht um eine Mischung von verschiedenen Arten", so Reinholz. Wo nur eine Art gedeiht, haben es Insekten, Pilze und die Witterung leicht, einen Wald komplett zu vernichten. Auch sei bekannt, dass alte Bäume für Krankheiten anfälliger sind als junge Pflanzen der gleichen Art. "Den Bäumen geht es da nicht anders als den Menschen", so Anett Wetzel.

Die Erkenntnisse werden jedes Jahr bundesweit neu gewonnen. Jeweils im Juli und August schwärmen Forstleute aus, um den Gesundheitszustand von festgelegten Bäumen zu begutachten. Insgesamt 8400 sind in allen Gegenden Thüringens ausgewählt worden. Jeweils zwei Forstleuten schätzen den Gesundheitszustand ein.

Nur etwa zwei von zehn Bäumen sind der jüngsten Zählung zufolge als durch und durch gesund zu bezeichnen. Der Wert ist zwar besser als im Vorjahr, doch können Schwankungen in der Kronendichte auch andere Ursachen als Krankheiten haben. So war 2011 ein Jahr, in dem Buchen ihre Kraft bevorzugt in die Fortpflanzung gesteckt hatten. Anstelle von Blättern wurde gewissermaßen in Bucheckern investiert. In diesem Jahr hingegen wurden kaum Früchte ausgebildet, weswegen die Forstleute dichtere Kronen vorgefunden haben.

Der Waldzustand nach Baumarten

  • Fichte: Der Hauptbaum in Thüringen ist vergleichsweise gering geschädigt. Allerdings gehen die Bestände perspektivisch stark zurück. Nur etwa 18 Prozent weisen deutliche Schäden aus. Kurzgehalten wurde auch der Borkenkäfer. Der Befall konnte auf niedrigen Niveau gehalten werden.
  • Kiefer: Etwa 15 Prozent des Baumbestandes in den Thüringer Wäldern sind Kiefern. Jeder vierte Baum ist deutlich geschädigt. Gegenüber dem Vorjahr ist eine leichte Erholung feststellbar.
  • Buche: Mit einem Waldanteil von 21 Prozent ist die Buche die häufigste Laubbaumart in Thüringen. Zwar ist immer noch jeder vierte Baum stark geschädigt, doch haben sich die Bestände leicht erholt.
  • Eiche: Drei von zehn Eichen sind stark geschädigt, wobei die Zahl erkrankter Bäume gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen hat. Die Eichen leiden unter der Trockenheit der letzten Jahre sowie dem Befall von Insekten. Die Fraßschäden haben sich im Jahresvergleich verdoppelt.

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