Unverständnis über Autobeschaffung bei Stiftung Naturschutz Thüringen

Weimar  Wochenlang hat Falko Hauck versucht, die Anschaffung von Dieselautos für die Stiftung Naturschutz Thüringen zu verhindern. Nun gibt er verzweifelt auf.

Der einstige Grenzstreifen heißt jetzt „Grünes Band“ und steht unter Schutz.

Der einstige Grenzstreifen heißt jetzt „Grünes Band“ und steht unter Schutz.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Seit 30 Jahren wähle er grün, sagt Falko Hauck aus Weimar. Jetzt ist Schluss damit. „Ich bin jetzt kein Grünen-Wähler mehr. So ein Handeln hätte ich nicht erwartet.“ Was Hauck derart empört, ist eine öffentliche Ausschreibung der Stiftung Naturschutz Thüringen, mit der Allrad-Autos für das grüne Prestigeprojekt „Grünes Band“ beschafft werden sollen.

Zunächst suchte die Stiftung, die vom Grünen-Landeschef Denis Peisker als Geschäftsführer geleitet wird, zehn Diesel-Autos. Jetzt sollen es neun Autos für die acht Ranger sein, die ab November die Arbeit aufnehmen. Gestrichen im plötzlich geänderten Ausschreibungstext wurde zudem die Vorgabe „Turbodieselmotor mit Dieselpartikelfilter, möglichst mit Ad-Blue“. Zufall oder nicht: Vorgenommen wurden die Korrekturen im geänderten, zweiten Bieterverfahren, während unsere Zeitung im Umweltministerium von Anja Siegesmund (Grüne), die die Aufsicht über die Stiftung Naturschutz Thüringen hat, zu dem Vorgang recherchierte.

Warum Herr Hauck sich jetzt empört? In unserer Zeitung las er am Mittwoch den Text „Prestigeprojekt ,Grünes Band‘ fehlen die Autos“. Es dauerte nicht lange, dann rief er in der Redaktion an und berichtete, wie er zuvor wochenlang vergeblich versucht hatte, Spitzenvertreter der Thüringer Grünen für den aus seiner Sicht ungeheuerlichen Vorgang zu sensibilisieren, dass eine grüne Naturschutzstiftung sich Dieselfahrzeuge anschaffen wolle.

Hauck schrieb zuerst die Stiftung an und kritisierte die Ausschreibung. Keine Reaktion. Stiftungsgeschäftsführer Peisker mochte dazu nach Haucks jetzigem Anruf nichts sagen.

Hauck versuchte es auch bei der Grünen-Fraktion. „Ich bitte die Grüne Fraktion darauf hinzuwirken, diese Ausschreibung zu stoppen! Es sollten entsprechende Elektro/Hybrid-Fahrzeuge gefunden werden“, schrieb Hauck. Dort traf er auf den Mitarbeiter einer Landtagsabgeordneten, der seine Besorgnis teilte. Er gehe davon aus, antwortete dieser, ein ehemaliges Mitglied des Landesnaturschutzbeirats, „dass sich die Stiftung ihrer Vorbildwirkung in Sachen Klimaschutz sehr bewusst ist, um entsprechend zu agieren“. Da dennoch, aus Haucks Sicht, insgesamt zu wenig geschah, kontaktierte er sogar Umweltministerin Siegesmund. Er bat sie um Intervention bei der Stiftung, ganz im Sinne des Klimaschutzes. „Ich bitte Sie als Ministerin darauf hinzuwirken, diese Ausschreibung zu stoppen“, schrieb Hauck am 31. Juli.

Am 9. August, da er keine Antwort erhielt, setzte er, da schon etwas spitzer, nach: „Leider gab es von keiner Seite Antwort. Das enttäuscht und verärgert mich schon sehr. So beginnt wohl Politikverdrossenheit.“ Umweltministerin Anja Siegesmund reagierte prompt auf die zweite Nachricht: „Ich habe es an die Stiftung weitergeleitet.“ Vier Wochen später, drei Tage nach der TA-Recherche, wurde die Ausschreibung tatsächlich geändert. Falko Hauck, „grüner Urwähler“, wie er sich nennt, ist dennoch alles andere als zufrieden, so wie die Sache gelaufen ist: „Ich frage mich, wie wir uns alle erdreisten, über den Kohleausstieg, Brände im Amazonas und 1000 Braunkohlekraftwerke in China zu debattieren, wenn wir es im kleinen Thüringen, und in der noch kleineren grünen Partei, nicht hinbekommen, kurzfristige praktische Ansätze zu finden.“ Zufrieden hingegen gab sich Stiftungschef Peisker.

Kaum hatte diese Zeitung berichtet, meldete sich bei ihm der erste Autohändler, der zumindest ankündigte, ein Angebot für die neun Allrad-Autos abgeben zu wollen, die die Stiftung dringend braucht.

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