Vier tote Rotmilane: Naturschützer fordern Abschaltung von Windrädern bei Petriroda

Schwabhausen  Ornithologen schlagen Alarm: In einem Windfeld zwischen Petriroda und Schwabhausen fand man in den letzten Wochen vier tote Rotmilane, die offensichtlich der sechs dort stehenden Windenergieanlagen zum Opfer fielen.

Diesen Rotmilan fand der Autor dieses Beitrages selbst bei der Schwabhäuser Windenergieanlage.

Diesen Rotmilan fand der Autor dieses Beitrages selbst bei der Schwabhäuser Windenergieanlage.

Foto: Dirk Bernkopf

Der letzte Fund stammt vom 22. Juni. Direkt unter einem Windrad lag ein ausgewachsener Rotmilan mit abgeschlagenem Flügel. Vier Tage zuvor fand Susanne Löw, stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Gotha des Naturschutzbundes (Nabu) und für das Rotmilan-Monitoring verantwortlich, ebenfalls einen Rotmilan unter einem Nachbarwindrad.

Und das waren nicht die ersten Funde. Schon im Herbst 2016 und Ende Mai dieses Jahres wurden von einem Bürger aus Emleben zwei tote Rotmilane unter den Windrädern entdeckt. Beide Vögel waren beringt und stammten aus dem Kreis Gotha. Weitere Funde liegen schon länger zurück. Insgesamt sind sechs Rotmilane und zwei Bussarde als Schlagopfer in diesem Windfeld bislang erfasst worden.

Gemähte Wiesen ziehen Greifvögel an

„Das waren alles Zufallsfunde, das ist besonders alarmierend“, sagt Susanne Löw. „Vier tote Rotmilane in nur vier Wochen, bei nur sechs Windenergieanlagen sind eindeutig zuviel.“

Susanne Löw führt die hohe Todesrate auf das intensiv genutzte Grünland im Gebiet der Windräder zurück. Gemähte Felder und Wiesen ziehen immer Beutegreifer auf der Jagd nach Kleinsäugern an. Und diese Wiesen werden mehrmals im Jahr gemäht – bei vollem Betrieb der Windenergieanlagen.

Laut Susanne Löw sei es inzwischen üblich, dass Abschaltzeiten bei Mahd oder Vogelzug in Verträgen mit den Windenergiefirmen verankert sind. Der Nabu fordert, die Verträge für die Anlagen bei Schwabhausen nachträglich anzupassen. Auf Grund des Alters der Anlagen, 2001 bis 2004 errichtet, sei aber generell über einen Rückbau nachzudenken.

Der Nabu Gotha hatte schon Mitte Mai die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis über die Situation im Windfeld informiert, nachdem immer wieder Milane, Bussarde, Turmfalken, Grau- und Silberreiher sowie Störche auf Nahrungssuche auf den gemähten Wiesen beobachtet wurden. In einem Schreiben an den Nabu-Kreisverband räumt die Untere Naturschutzbehörde Handlungsbedarf ein und kündigt an, sich mit den beiden Betreibern der Windenergieanlagen in Verbindung zu setzen, um über Abschaltzeiten zu verhandeln.

Bis dahin hoffen die Naturschützer, dass es zu keinen weiteren Kollisionen mit den Tieren kommt. Schließlich trägt Deutschland eine besonders hohe Verantwortung für den Schutz des Rotmilans, denn vom gesamten Weltbestand des Milvus Milvus, wie sein lateinischer Name lautet, lebt über die Hälfte in Deutschland, davon zwei Drittel in Ostdeutschland.

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