Vogelbeobachtung mit Ausblick auf die Kraniche

Straußfurt (Landkreis Sömmerda). Interessierte trafen sich beim Bird-watch des Naturschutzbundes am Speicher Straußfurt. Der Speicher ist noch zu wenig abgelassen für eine Rast.

Reinhard Zentner, Tino Sauer vom Nabu, Jutta Rottorf und Reinhard Hauer (v.l.) waren Samstag am Speicher Straußfurt auf Vogel-Guck-Pirsch. Foto: Katrin Müller

Reinhard Zentner, Tino Sauer vom Nabu, Jutta Rottorf und Reinhard Hauer (v.l.) waren Samstag am Speicher Straußfurt auf Vogel-Guck-Pirsch. Foto: Katrin Müller

Foto: zgt

Mit Fernrohren, Fotoapparaten, Nachschlagewerken und selbst "geschossenen" Fotos der Vogelwelt kamen Interessierte am Samstagmorgen zum sogenannten "Bird-watch-Tag" des Naturschutzbundes, Nabu, auch an den Speicher Straußfurt.

Reinhard Zentner aus Ringleben zeigte Tino Sauer vom Nabu-Kreisverband Sömmerda die Bilder, die er vor einigen Tagen am Speicher aufnahm. Im Vogel-Buch sah er nach und versah die Abbildungen mit den Arten-Namen, manche noch mit einem Fragezeichen. "Ja, das ist ein Sandregenpfeifer. Und das hier ein Kampfläufer", bestätigte Tino Sauer.

Mit Reinhard Hauer aus Kölleda und Jutta Rottorf aus Rohrborn tauschte sich der Ringlebener über die besten Vogelbeobachtungsposten im Landkreis aus. Neulich gelang einem sogar ein Schnappschuss von einer Schwanzmeise im Garten. Einer versah einige Nester sogar mit einer Funkfernbedienung für den Fotoapparat.

Doch mit die besten Blicke auf die Vogelwelt hat man tatsächlich am Speicher Straußfurt. Dieses Areal und die umliegenden Felder sind ja nicht umsonst als ein Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen und unter Schutzbestimmungen gestellt worden.

"Wie viele Arten sind denn jetzt so hier am Speicher", fragte Reinhard Hauer Tino Sauer. "Na, so etwa 60 vielleicht", antwortete der Vogel-Fachmann. "Hier, die Graugänse kommen gerade vom Frühstück auf den Feldern zurück. Und die Bekassine, den Vogel des Jahres 2013, gibt es auch hier."

Naturschützer sehen Rundwanderweg kritisch

Doch natürlich warten viele auf die Kraniche. Der Speicher Straußfurt ist für Tausende Rastplatz auf ihrem Zug nach Süden - wenn die Vögel denn ausreichend Schlammflächen am Rand vorfinden.

"Es ist jedes Jahr das gleiche Spielt", ärgert sich Tino Sauer. "Der Speicher ist noch zu wenig abgelassen. Und das, wo sich der Staatssekretär des Landwirtschafts- und Umweltministeriums ja darum kümmern wollte." Die ersten Kraniche kreisten auch schon über dem Landkreis. So um den 10.Oktober werden sie eigentlich erwartet.

Abgeerntete Maisfelder, wissen die Vogelfreunde, die Samstag zum Vogelschau-Tag kamen, gibt es zum Anfuttern für die lange Flugreise in den Süden ja genug im Umkreis des Speichers. Aber Schlafplätze...

Neben dem spät und dann zu schnell und bis auf den letzten Tropfen abgelassenen Speicher plagen Tino Sauer vom Nabu noch andere Sorgen. Den von Straußfurtern gerne gesehenen und vehement geforderten Rundwanderweg um den Speicher sieht er etwas skeptisch. Wie könne man dann verhindern, dass Unvernünftige mit Autos langfahren? Und die mit Freude und Jagdeifer über den abgelassen Speicher wetzende Hunde würden den Glücksvögeln beim Aufflattern dann die mühsam angefressene Energie wieder kosten.

Die Interessen zum Schutz der Natur und auch zum Beobachten durch Naturfreunde muss man behutsam unter einen Hut bringen. Reinhard Zentner etwa stellt sein Fotos auch für andere ins Internet. Und Jutta Rottorf, die unter anderem durch ein altes Fernglas ihres Vaters zum Vogelbeobachten fand und nun mit einem Spektiv und viel "Neugier" ausgestattet ist, schreibt ihre Entdeckungen in ein immer umfänglicher werdendes Vogeltagebuch.