Vogelschützer halten exakte Brutorte der Thüringer Seeadler geheim

Erfurt. Es soll wieder zwei nistende Paare und mehrere Sichtungen des Greifvogels in Thüringen geben. Die Paare halten viele Jahre, und sie bleiben dem Ort treu, an dem sie einmal für Nachwuchs sorgten.

Ein Seeadler fliegt im Oktober 2012 über einem See bei Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern und hat einen Aal erbeutet. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

Ein Seeadler fliegt im Oktober 2012 über einem See bei Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern und hat einen Aal erbeutet. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

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Das machte Thüringer Vogelkundlern Hoffnung, als sie vor drei Jahren unweit von Altenburg, nahe der Talsperre Schömbach, ein Seeadler-Paar bemerkten. Das war 2010. Es hieß: Ob dieser mächtige Vogel künftig auch Wälder und Teichgebiete anderer Thüringer Regionen besuchen wird, bleibt nun abzuwarten.

Das Warten hat sich offenbar gelohnt. Bereits zum Jahreswechsel war der Seeadler Gesprächsthema in Nöda, einem Dorf im Landkreis Sömmerda. Naturfreund Torsten Schüttauf streifte durch die Nödaer Flur, das Alperstedter Ried als ein Vogel geflogen kam - stolz, erhaben und mit erstaunlicher Spannweite der Flügel.

Es war kein Bussard und kein Graureiher. Das erkannte der Mann sofort. Er holte das Fernglas heraus. Ganz genau sah er nun die weißen Schwanzfedern und wollte es kaum glauben. Vor seinen Augen flog tatsächlich ein Seeadler. Einige Tage später saß Torsten Schüttauf auf der Jägerkanzel und schaute über die Flur. Er berichtet: "Ein Vogel mit einem kräftigen Rumpf flog heran, und ich erkannte ihn wieder. Er flog mich an, hielt dann gebührenden Abstand und zog einmal rund um die Kanzel. Dann drehte er Richtung Kiesgrube ab und ließ sich hinter dem Holz nieder."

Tiere müssen ungestört brüten

Die Freude der Beobachtung teilt mit ihm Klaus Lieder aus Ostthüringen. Überrascht ist der Vorsitzende vom Landesfachausschuss für Ornithologie beim Naturschutzbund Thüringen nicht mehr. Er verweist auf Mecklenburg-Vorpommern, wo sich seit Jahren einige Seeadler niedergelassen haben, und auch auf die Niederlande. Die Tiere würden weit fliegen, gerade in den ersten vier Lebensjahren, wenn sie noch nicht auf Brautschau gehen, aber bereits nach einer geeigneten Gegend für die spätere Familiengründung schauen. Klaus Lieder hat zusammen mit Gleichgesinnten in Ostthüringen kleine Wege gesperrt und mehr getan, damit um den Horst der Seeadler Ruhe herrscht. Die Tiere müssen ungestört brüten. In Mitteleuropa beginnt im Februar die Brutzeit.

Der Vogelkundler sagt mit berechtigtem Stolz: "Dass der Seeadler auch wieder nach Thüringen kommt, ist ein Erfolg für den Naturschutz."

Die Meinung und den Stolz teilt mit ihm Herbert Grimm, Kurator für Ornithologie am Naturkundemuseum Erfurt. Er vermutet, der Seeadler im Alperstedter Ried kann vom Kyffhäuser sein. "Dort", so Herbert Grimm, "brütet ein Seeadlerpaar. Das weiß ich, denn ich kenne es persönlich."

Seit 1990 erholen sich die Bestände

Mehr möchte er dazu nicht sagen. Mit Klaus Lieder teilt er auch die Sorge um die Tiere und fürchtet den geballten Aufmarsch der Neugierigen. Dass er damit nahe an der Wirklichkeit ist, belegt ein Beispiel. Als im letzten Dezember in Sachsen eine Sperbereule entdeckt wurde, war das eine solche Sensation, dass tageweise mehr als 30 Fotografen anrückten. Dies wollen Thüringer Ornithologen den wenigen und daher behüteten Seeadlern ersparen, was ein Grund für den bislang fehlenden Bildnachweis ist.

Der Seeadler war in Mitteleuropa so gut wie ausgerottet. Seit Jahrhunderten wurde er als begehrte Trophäe gejagt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es erstes Bemühen um den Schutz der Tiere. Das Insektizid DDT, das nach 1945 weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, führte über die Nahrungskette beim Seeadler und anderen Greifvögeln zu schlimmen Schäden. Seit 1990 erholen sich die Bestände erfreulich.

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