Wieder Erdstück an Schmalkaldener Krater weggesackt

Der Erdfall in Schmalkalden bleibt gefährlich. Allerdings hatten die Geologen das Absacken der Kiesfüllung erwartet, weil sich so noch offene Hohlräume füllen. Es sei auch nicht das letzte Mal gewesen, hieß es am Donnerstag. Indessen gibt es Gerüchte um alte Rüstungsstollen, die als Ursache für das Phänomen gelten könnten.

Zehn Tage nach dem Schmalkaldener Erdfall rutschte am Donnerstag erneut ein Stück Erde weg. Foto: Sascha Wilms

Zehn Tage nach dem Schmalkaldener Erdfall rutschte am Donnerstag erneut ein Stück Erde weg. Foto: Sascha Wilms

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Schmalkalden. "Das neue Loch ist etwa drei Meter tief", sagte Andreas Maruschke, Sprecher des Umweltministeriums dieser Zeitung.

Das erneute Abrutschen der Erde am Donnerstag geschah ungefähr in der Mitte des ursprünglichen und inzwischen aufgeschütteten Kraters. "Die Arbeiten zum Verschließen des Erdfalls wurden sofort eingestellt", bestätigte Thomas Kaminski (SPD), Bürgermeister von Schmalkalden, auf Anfrage dieser Zeitung. "Was die Ursache dafür ist, sollen nun Geologen erkunden", fügte der Bürgermeister an.

Vor einer Woche Montag hatte sich in einem Schmalkalder Wohngebiet ein Erdfall mit etwa 40 Metern Durchmesser und einer Tiefe von fast 25 Metern aufgetan. Ein Auto war von dem Krater verschluckt worden. Menschen blieben unverletzt. Seither wurde der Krater mit etwa 7000 Tonnen Kies aufgefüllt und Spezialmatten stabilisiert. Weitere 6000 Tonnen Kies sollen als Kuppe auf den Erdfall angehäuft werden, um für kleinere Einbrüche Materialreserven zu haben.

Experten vermuten ausgewaschene Mineralien

Mehrere geologische Erkundungsbohrungen rund um den Krater sollen in den nächsten Wochen Aufschluss über die Ursache für den Erdfall geben. Die Experten vermuten, dass Mineralien ausgewaschen wurden und sich so ein Hohlraum gebildet habe. Dass vier in der nähe liegende Luftschutzkeller die Ursache für den Erdeinbruch sind, schlossen die Experten bisher aus.

Auch, ob das Anbohren von Quellen zur Wasserentnahme in der Gegend eine höhere Fließgeschwindigkeit und damit ein intensiveres Auswaschen verursachte, ist noch unklar.

Erfurter: unterirdische Rüstungsproduktion im zweiten Weltkrieg

Es gibt allerdings noch ganz andere Theorien. So behauptet ein Erfurter, dass sich unter der Stelle des Erdfalls im Zweiten Weltkrieg eine unterirdische Rüstungsproduktion befand, die nun weggebrochen sei. Zur Begründung gibt er codierte Vermessungspunkte an, mit denen die Russen in der DDR militärisch wichtige Punkte markiert hätten. Und eine dieser Markierungen zeige den Ort des Erdfalls.

Bürgermeister: Keller waren Bierlager und Luftschutzbunker

"Es hat an dieser Stelle niemals eine unterirdische Rüstungsproduktion gegeben", weist Bürgermeister Kaminski diese Theorie zurück. Richtig sei, dass sich vier größere Keller in dem Untergrund befinden, die immer etwa zweieinhalb Meter breit und hoch sind. Teilweise wurden diese vor mehr als 100 Jahren angelegt, um beispielsweise Bier zu lagern. Während des Kriegs seien sie als Luftschutzbunker genutzt worden. "Diese Stollen sind nach Ansicht der Geologen nicht die Ursache für den Erdfall", so Kaminski.

180.000 Euro Soforthilfe für Betroffene

Bis zum Ende der Untersuchungen bleiben fünf Häuser mit evakuierten 17 Bewohnern weiter gesperrt. Die Stadt hat ihnen Ausweichunterkünfte zur Verfügung gestellt und angekündigt, für drei Monate die Mietkosten zu übernehmen. Das Land rechnet damit für die Erkundungsbohrungen und ein Frühwarnsystem rund um den Erdfall bis zu einer halben Million Euro investieren zu müssen. Zudem stellte die Regierung am Dienstag 180.000 Euro Soforthilfe aus Lottomitteln bereit.

Erdfall von Schmalkalden: Eine Chronologie der Ereignisse