Ein Jahr war lange der Zeitraum, der fürs Trauern als angemessen galt. Doch in Wirklichkeit ist es oft anders. Betroffene und ihr Umfeld brauchen das Wissen darüber, um den richtigen Umgang zu finden.

Stuttgart/Karlsruhe (dpa/tmn) Das klassische Trauerjahr, nach dem es für Hinterbliebene angeblich leichter werden soll, mit dem Verlust umzugehen, gibt es nach Ansicht von Trauer-Experten gar nicht. „Vor allem der erste Todestag ist oft besonders heftig“, sagt Trauertherapeut und Autor Roland Kachler: „Der Schmerz wird intensiver, weil jetzt die Endgültigkeit gespürt und bewusst wird.“ Mit Ende des zweiten Trauerjahres könne diese Trauer „weiter abfließen und allmählich gehen“.

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Auch Marei Rascher-Held, Vorstandsmitglied im Bundesverband Trauerbegleitung, hat die Erfahrung gemacht, dass die Dauer der Trauer sehr oft länger als nur ein Jahr dauert. „Das zweite Jahr kann schlimmer werden im Schmerz, da ich erst jetzt wirklich begreife, dass der geliebte Mensch wirklich nie mehr zurückkommt.“ Hier werde das „Pendeln zwischen Verlust- und Wiederherstellungsorientierung“ sehr deutlich: „Der Trauernde hat schon viel geschafft, aber je mehr Zeit ins Land geht, desto bewusster wird ihm die Realität des 'Nie wieder'“, erklärt sie. So manche Trauernde nehmen dann auch noch einmal Trauerbegleitung in Anspruch.

Für die Betroffenen sei es schlimm, wenn Außenstehende davon ausgehen, dass es nach einem Jahr „ja nun mal endlich besser werden“ sollte. Dies erlebten die Trauernden dann als großen Druck. Die Experten sind sich einig: Jede Trauer ist individuell - ebenso wie ihre Dauer.