Angeblich Zeuge mit Handy-Aufnahmen vom Kiesewetter-Mord aufgetaucht

Stuttgart. Angeblich ist ein Zeuge aufgetaucht, der eine Handy-Aufnahme vom Mord an Michèle Kieswetter haben soll.

Angeblich ist eine Handy-Aufnahme aufgetaucht, die den Mord an der Polizistin Kiesewetter zeigt. Symbol-Foto: Sascha Fromm

Angeblich ist eine Handy-Aufnahme aufgetaucht, die den Mord an der Polizistin Kiesewetter zeigt. Symbol-Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses „Rechtsextremismus/NSU“ in Baden-Württemberg, Wolfgang Drexler (SPD), sagte am Freitag, dass sich in jüngster Zeit zwei Zeugen beim Ausschuss gemeldet hätten, die bisher nicht der Polizei oder den Ermittlungsbehörden bekannt gewesen seien.

In einem Fall habe der Ausschuss den Hinweis an den Generalbundesanwalt weiter geleitet. Dabei sei es um eine „Handy-Aufnahme von der Tat“ gegangen, so der Ausschussvorsitzende. Der zweite Zeuge will etwa eine Stunde vor der Tat in Heilbronn Beobachtungen gemacht haben. Weitere Details nannte Drexler nicht. Er betonte aber, dass der zweite Zeuge darum gebeten habe, anonym zu bleiben.

Noch keine Stellungnahme von der Staatsanwaltschaft

Seitens der Bundesanwaltschaft lag am Mittag noch keine Stellungnahme vor. Eine Sprecherin sagte unserer Zeitung, dass die Angaben geprüft würden.

Der Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag verabschiedete am Freitag zudem eine Empfehlung für das im kommenden Jahr neu zu wählende Landesparlament. Darin wird das Einsetzung eines weiteren Untersuchungsausschusses befürwortet. Das Gremium solle sich vor allem mit der Untersuchung der Kontakte des NSU nach Baden-Württemberg noch einmal intensiv beschäftigen. Der aktuelle Ausschuss habe das nicht um notwendigen Umfang geschafft.

Am Freitagnachmittag sollen von dem Gremium mit Mike W., der Patenonkel der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter und ein Thüringer Polizist, befragt werden. Die aus dem thüringischen Oberweißbach stammende Michèle Kiesewetter war am 26. April 2007 in Heilbronn in ihrem Polizeifahrzeug erschossen worden. Ihr Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen, kann sich aber an die Tat nicht mehr erinnern.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Mord von Mitgliedern der mutmaßlichen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) begangen wurde. Als Täter gelten die inzwischen verstorbenen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Gegen das dritte mutmaßliche NSU-Mitglied, Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte verhandelt seit Mai 2013 der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts in München.

Der NSU wird für zehn Morde, 15 Raubüberfälle sowie zwei Sprengstoffanschläge verantwortlich gemacht.