Angeklagter Wohlleben grüßt Gesinnungsgenossen im Gericht mit erhobenem Daumen

München. Mit erhobenem Daumen grüßt Ralf Wohlleben am Donnerstag kurz vor Verhandlungsbeginn im Schwurgerichtssaal A101 in München Sebastian Dahl. Dieser hatte mit mehreren Gesinnungsgenossen aus dem thüringischen Kahla am 90. Verhandlungstag des NSU-Prozesses in der ersten Reihe auf der Besuchertribüne Platz genommen.

Am Donnerstagnachmittag soll sich Mandy S. weiter den Fragen des Gerichts stellen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Am Donnerstagnachmittag soll sich Mandy S. weiter den Fragen des Gerichts stellen. Foto: Peter Kneffel/dpa

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Dahl war vom Landgericht Potsdam wegen eines Anschlags 2001 auf ein Jugendfestival im brandenburgischen Königs-Wusterhausen, unter anderem wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes, zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. 2010 soll er wieder aus der Haft entlassen worden sein.

Wohlleben, dem die Bundesanwaltschaft Beihilfe zum Mord in neun Fällen vorwirft, trägt im Gericht einen hellbraunen Pullover und ein dunkelbraunes Hemd. Er hatte am Donnerstag seinen 39. Geburtstag. Offenbar aus diesem Grund haben mehrere Gesinnungsgenossen von ihm unter den Zuschauern Platz genommen. Justizbedienstete achteten zu Verhandlungsbeginn besonders intensiv darauf, dass es zu keinen Störungen kam.

Geplant war der zweite Teil der Vernehmung von Mandy S. Richter Manfred Götzl fragt freundlich nach all ihren Wohnadressen, nach all ihren Lebensgefährten und ihrem Freundeskreis. Immer wieder und mit viel Geduld hakt er nach. Die Friseurin aus dem sächsischen Schwarzenberg antwortet auf all die Fragen. Irgendwann ist klar, dass sie sich nicht immer umgemeldet hatte, wenn sie umgezogen war.

Immer deutlicher wird, dass sie bis 2007 in Chemnitz in mehreren Wohnungen lebte. Danach ist sie wegen eines Freundes nach Büchenbach bei Nürnberg gezogen. Dort hielt sie es aber nicht lange aus und "flüchtete" 2003 nach Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. Dort wohnte sie einige Zeit bei ihren Eltern und zog später nach Erlau bei Schwarzenberg und dann direkt nach Schwarzenberg.

Das beharrliche Nachfragen des Richters fördert zutage, dass die Frau in den 1990er-Jahre in Sachsen und auch in Nürnberg tief mit der rechtsextremen Szene verwurzelt war und zahlreiche Personen kannte. Mit mehreren war sie auch befreundet. In einem Fall, so erzählt die 38-Jährige, sei ihr während ihrer Nürnberger Zeit von einem auch eine Bombenbauanleitung aus dem Internet zugesteckt worden. Richter Götzl wird hellhörig, die Zeugin kann aber keine weiteren Einzelheiten liefern. Sie habe die Beschreibung weggeworfen. Auch könne sie sich nicht an Gespräche innerhalb der Szene bezüglich irgendwelcher Bomben erinnern.

Nach zwei Stunden Befragung hat der Richter die Zeugin endlich dort, wo er sie hinhaben wollte. Er lässt Bilder mehrerer Asservate an die Wände des Gerichtssaals projizieren. Zu sehen ist der Ausweis eines Tennisclubs, der auf ihren Namen ausgestellt ist. An der dort aufgedruckten Adresse soll die Zeugin aber erst 2004 gewohnt haben. Nun will Götzl wissen, was die 38-Jährige zu dem Ausweis sagen könne.

Die Zeugin ist auf diese Frage vorbereitet, denn auch die Polizei hatte sie das bereits vor zwei Jahren gefragt. Ihr Anwalt habe recherchiert, sagt Mandy S. Der Tennisklub stelle gar keine Ausweise aus, erklärt sie und verweist noch einmal darauf, die drei, gemeint sind Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, nur im Jahr 1998 gesehen zu haben. Damals wohnten diese einige Zeit in der Chemnitzer Wohnung ihres Freundes.

Am Vortag legte Mandy S. vor Gericht noch Wert darauf, dass sie Beate Zschäpe nicht als die Frau erkenne, die damals in der Wohnung mit wohnte. In der zweiten Befragung spricht sie hin und wieder doch von Beate Zschäpe. Götzl lässt als weitere Asservate zwei Katzenimpfpässe zeigen. Diese sind wieder auf den Namen Mandy S. ausgestellt, allerdings steht auf einem eine der Adressen, die als Wohnung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt in Zwickau bekannt geworden sind.

Ganz zum Schluss erscheint noch ein Notizzettel auf der Wand. Mit ordentlicher Schrift sind eine Adresse und eine Telefonnummer notiert. Die Zeugin räumt ein, dass sei ihre Schrift. Die Telefonnummer stamme aber aus dem Jahr 1999, und da will sie die drei nicht mehr gesehen haben. Eine Erklärung, wie der Zettel in den Besitz des Trios gelangt sein könne, hatte die Zeugin nicht. Sie verweist darauf, dass sie immer wieder einmal jemanden einen Zettel mit der Nummer gegeben habe.

Mandy S. muss eigentlich nicht aussagen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen dieser Asservate gegen sie, wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Sie hatte sich aber am Mittwoch entschlossen, ihre Geschichte vor Gericht zu erzählen. Die Zeugin wirkt am Donnerstag konzentriert und hat ihre Nervosität vom Vortag abgelegt.

Nach etwas mehr als zwei Stunden Befragung unterbricht Götzl die Verhandlung für eine Mittagspause. Am Nachmittag soll sich Mandy S. weiter den Fragen des Gerichts stellen.

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