Angriff auf Journalisten: Sohn von Thüringer NPD-Chef im Visier

Fretterode  Nach einem Angriff auf zwei Journalisten vergangene Woche im Eichsfeld hat die Polizei bei ihren Ermittlungen auch den Sohn des NPD-Landesvorsitzenden Thorsten Heise im Fokus.

Die beiden Opfer haben Anzeige wegen eines versuchten Tötungsdelikts erstattet. Symbol-

Die beiden Opfer haben Anzeige wegen eines versuchten Tötungsdelikts erstattet. Symbol-

Foto: Tino Zippel

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Nach dem Angriff auf zwei Fotografen vergangene Woche bei Fretterode im Eichsfeld dehnt die Polizei ihre Ermittlungen aus – und fokussiert sich nach Informationen unserer Zeitung aus Polizeikreisen auf den Sohn vom NPD-Landesvorsitzenden Thorsten Heise. Er wird als einer von zwei Beschuldigten geführt.

Zunächst war neben dem polizeibekannten Neonazi Gianluca B. eine weitere Person ins Visier der Ermittler geraten, die regelmäßig bei rechtsextremen Treffen im Eichsfeld auftaucht – aber als Mitläufer gilt. Fotos der Täter legen indes nahe, dass es sich bei einem der Angreifer aber um den Sohn des NPD-Chefs handeln könnte.

Der Staatsschutz der Landespolizeiinspektion Nordhausen hat das Verfahren auf dem Tisch, hält sich bedeckt. Eine Sprecherin verwies auf Anfrage auf die laufenden Ermittlungen, zu denen es keine weiteren Auskünfte gebe.

Die beiden Fotografen haben nach eigenem Bekunden zu Recherchezwecken Film- und Fotoaufnahmen des Heise-Grundstücks in Fretterode gemacht, weil dort Neonazis regelmäßig zu Treffen zusammenkommen. Als sie bemerkt wurden, stürmten nach bisheriger Darstellung zwei Personen aus dem Haus – bewaffnet mit Messer und Schraubenschlüssel. Sie sollen die Fotografen verfolgt und dann auf der Landstraße bei Fretterode angegriffen haben. Sie demolierten das Auto und entwendeten die Fotoausrüstung. Die beiden Opfer haben Anzeige wegen eines versuchten Tötungsdelikts erstattet.

Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Ezra, kritisiert indes die Behörden. „Es verwundert, dass noch kein Täter in Untersuchungshaft genommen wurde“, sagt Beraterin Theresa Lauß. Der Staatsanwalt habe entgegen der üblichen Praxis keinen Haftbefehl beantragt.

Opferberatung kritisiert Ermittler nach Überfall auf Journalisten im Eichsfeld

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