Die zehn Mordopfer des NSU: Ismail Yasar

9. Juni 2005, Nürnberg, Ismail Yasar (50): An dem Container steht "Scharrer Imbiss". Er ist an der Scharrer-Straße im Stadtteil St. Peter aufgestellt, südöstlich der Nürnberger Innenstadt.

Ismail Yasar gehört zu den zehn Opfern, die durch den NSU starben. Archivfoto: Lennart Preiss/dapd

Ismail Yasar gehört zu den zehn Opfern, die durch den NSU starben. Archivfoto: Lennart Preiss/dapd

Foto: zgt

Ismail Yazar lebt schon lange in Deutschland, seit 1978. Er wohnt getrennt von seiner Ehefrau, der gemeinsame Sohn ist 15. Yazar ist Schweißer, arbeitete in verschiedenen Nürnberger Betrieben, bis er sich 1999 mit dem Imbiss in der Scharrer-Straße selbstständig machte.

Der 9. Juni 2005 ist ein Donnerstag. Die beiden Täter kommen gegen 9.30 Uhr mit Fahrrädern. Sie schauen in der nahen Zerzabelshofstraße auf einen Stadtplan, dann warten sie auf einem Spielplatz, der dem Imbiss gegenüber liegt. Gegen 10 Uhr gehen sie in den Imbiss-Container.

Einer der Täter schießt mit der Ceska 83, die wieder in eine Plastiktüte gewickelt ist. Die Kugel verfehlt Yazar. Sie streift nur sein rechtes Ohr und durchschlägt die Hintertür. Der Wirt versucht, hinter der Theke in Deckung zu gehen, als ihn ein zweiter Schuss unterhalb seines rechten Ohres direkt in den Kopf trifft. Yasar geht zu Boden, drei weitere Schüsse treffen seinen Oberkörper. Die Schlüsselbeinschlagader wird durchtrennt, das Opfer verblutet.

Nach der Tat verstauen Mundlos und Böhnhardt die Waffe in einem Rucksack und fahren davon.

An diesem Tag werden die Männer von mehreren Zeugen beobachtet. Sie beschreiben die beiden der Polizei, einschließlich des Gegenstandes, der in eine gelbe Plastiktüte verpackt war. Auch erzählen sie von den Fahrrädern. Es werden Phantombilder gezeichnet. Nach dem Bombenanschlag von Köln erkennt sie eine Zeugin auf Überwachungsvideos wieder. Doch die richtigen Schlüsse werden nicht gezogen.

Zehn Morde werden dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) zugerechnet. Zwischen dem Jahr 2000 und 2007 starben acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer und eine Polizistin. Die mutmaßlichen Täter waren Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aus Jena. Ihre Mittäterin soll Beate Zschäpe gewesen sein, obwohl sie wohl an den Morden nicht direkt beteiligt war. Ihr wird nun in München der Prozess gemacht. Wir beschreiben die Taten, wie sie sich nach Aktenlage der Anklage darstellen.

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