Erfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Beate Zschäpe

Erfurt. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt seit Februar diesen Jahres wegen eines Tötungsdeliktes gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Eine Sprecherin bestätigte der Thüringer Allgemeine das Verfahren.

Bereits 1996 soll ein Brüderpaar am Erfurter Bahnhof von Beate Zschäpe und dem Rest des vermutlichen Terrortrios des NSU bedroht worden sein. Es sollen dabei auch Schüssen gefallen sein. Foto: Bundeskriminalamt/dapd

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"Es gebe einen vagen Verdacht", fügte Anette Schmitter Hell an. Eine Anzeige gegen die Verdächtige liegt nicht vor. Anlass des Verfahrens ist eine Aussage der Berliner Filmemacher Dominik und Benjamin Reding, die beide im Vorjahr gemacht hatten. Danach sollen sich die Zwillingsbrüder relativ sicher sein, dass sie von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt im Beisein von Beate Zschäpe auf dem Erfurter Hauptbahnhof bedroht wurden.


Die Produzenten des Skinheadfilms "OiWarning!" hatten den Vorfall bereits mehrfach geschildert. So sollen sie am Silvesterabend 1996 beim Umsteigen in der Erfurter Bahnhofsgaststätte erst verbal bedroht worden sein. Als sich die beiden Brüder dann in Richtung ihrer Regionalbahn nach Ilmenau begaben, soll auf sie sogar geschossen worden sein. Nach ihren Angaben hatte eine Schaffnerin die Zugtüren verriegelt und die Regionalbahn soll nach dem Vorfall vorzeitig abgefahren sein.


Als im Vorjahr Hinweise um Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos für die Ermittlungen gebeten wurde, hatten sich auch Dominik und Benjamin Reding gemeldet und den Vorfall geschildert. Die Angaben waren an das Bundeskriminalamt und die Bundesanwaltschaft weiter geleitet worden, da diese unter anderem wegen der zehn Morde und wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung gegen Beate Zschäpe führten.


Diesen Februar hatte die Bundesanwaltschaft das Verfahren dann an die Staatsanwaltschaft Erfurt abgegeben, weil kein terroristischer Hintergrund vorliegt und damit auch die Bundesanwaltschaft nicht zuständig ist. Erschwerend für die Ermittlungen ist, dass die beiden Brüder damals keine Anzeige erstattet hatten. Die Erfurter Staatsanwaltschaft prüft nach Angaben der Sprecherin noch einmal intensiv, ob es zu diesem Vorfall noch irgendwelche Aufzeichnungen gibt.


Die Bundesanwaltschaft hat Beate Zschäpe unter anderem wegen der Beteiligung an den zehn NSU-Morden sowie wegen der versuchten Morde durch die Sprengstoffanschläge in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim angeklagt. Der Prozess gegen sie und vier weitere Angeklagte soll am 6. Mai beginnen.

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