Ermittlungen nach Klopapier-Attacke auf Goethes Gartenhaus

Weimar  Nach der Klopapier-Attacke auf Goethes Gartenhaus wirft der Weimarer Staatsschutz einem Verdächtigen Sachbeschädigung vor.

Zahlreiche Rollen Toilettenpapier liegen auf dem Grundstück von Goethes Gartenhaus im Weimarer Ilmpark. Eine Aktionsgruppe aus Frankfurt bekannte sich zu der Aktion in der vergangenen Woche.

Zahlreiche Rollen Toilettenpapier liegen auf dem Grundstück von Goethes Gartenhaus im Weimarer Ilmpark. Eine Aktionsgruppe aus Frankfurt bekannte sich zu der Aktion in der vergangenen Woche.

Foto: Polizei/dpa

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Der polizeiliche Staatsschutz in Weimar verfolgt jetzt eine heiße Spur im Fall des Klorollen-Angriffs auf das Gartenhaus des Dichters Johann Wolfgang von Goethe, der am Mittwoch 270 Jahre alt geworden wäre. „Es wird gegen eine bekannte Person wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung ermittelt“, sagte die Sprecherin der Landespolizeiinspektion Jena, Steffi Kopp, auf Anfrage dieser Zeitung. Bei Taten mit vermutetem politischen Hintergrund ermittele regelmäßig der Staatsschutz.

Eine Gruppe maskierter Kunstschüler aus Frankfurt am Main hatte in der vergangenen Woche einen „Anschlag“ auf das Gartenhaus im Ilmpark verübt. 25 Klopapierpakete habe man für diesen Zweck erworben, sagte ein Sprecher der Gruppe, die sich „Frankfurter Hauptschule“ nennt, dieser Zeitung.

Ermittlungen nach Klopapier-Attacke auf Goethes Gartenhaus

Ein Video, das die von Passanten beobachtete Tat dokumentiert, wurde als Nachweis der vorgeblichen Kunstaktion im Internet verbreitet. Nach Auskunft des Sprechers besteht die Aktionsgruppe aus 20 Schülern der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste „Städelschule“ sowie anderer Kunstbefähigungseinrichtungen vorwiegend aus Hessen. An der Aktion in Weimar seien urlaubsbedingt lediglich 18 junge Frauen und Männer beteiligt gewesen.

Ein Kunstlehrer, mit dem derartige Dinge im Vorfeld häufig abgesprochen würden, sei ebenfalls im Urlaub und auch in die Planung in diesem Fall nicht eingebunden gewesen.

Den Dichter als „Lustgreis outen“

Bei der Klassik-Stiftung in Weimar betrachtet man das, was geschehen ist, mit gemischten Gefühlen. „Wir freuen uns, wenn sich jemand kreativ mit Goethe auseinandersetzt“, sagte der Sprecher der Stiftung, Franz Löbling. Zumal das Anliegen der Kunstschüler aus Sicht der germanistischen Wissenschaft sogar nachvollziehbar sei. Goethes „Heidenröschen“ sei ein Gedicht, bei dem die „Vergewaltigungsinterpretation“ durchaus möglich sei, bestätigte Löbling.

Absicht der „Frankfurter Hauptschüler“ war es nach eigenen Angaben, Goethe „als Lustgreis zu outen“. Besonders in dem von Franz Schubert vertonten Gedicht „Heidenröschen“ habe Goethe eine „brutale Vergewaltigung“ verharmlost. „Aber ich halte es für die Pflicht der Lehrer, die offene Deutungsmöglichkeit zu vermitteln“, wandte sich Klassik-Stiftung-Sprecher Löbling gegen eindimensionale Betrachtungsweisen.

Warum die Inszenierung in Weimar und nicht in Goethes Geburtsstadt Frankfurt am Main stattfand, ist bisher unbekannt. Der Frankfurter Polizei ist die Aktionsgruppe bekannt.

Künstlergruppe bewirft Goethes Gartenhaus mit Klopapier

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