Ex-Dora-Chef Hördler: Erfurter Arbeitsgericht erklärt Kündigung für unbegründet

Erfurt.  Das Arbeitsgericht in Erfurt hat die Kündigung von Stefan Hördler für unwirksam erklärt. Der Ex-Chef der Gedenkstätte Mittelbau-Dora erhält eine Abfindung.

Ex-Dora-Chef Hördler erhält Abfindung in Höhe von viereinhalb Monatsgehältern. (Symbolbild)

Ex-Dora-Chef Hördler erhält Abfindung in Höhe von viereinhalb Monatsgehältern. (Symbolbild)

Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Im Rechtsstreit zwischen der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Stefan Hördler erklärte das Arbeitsgericht in Erfurt am Freitagmorgen die gegen den Ex-Leiter der Gedenkstätte Dora ausgesprochene fristlose Kündigung für unwirksam.

Sie sehe keinen objektiven Grund für eine fristlose Kündigung, das Arbeitsverhältnis Hördlers sei damit weder durch die außerordentliche Kündigung vom Mai noch durch die hilfsweise ordentliche Kündigung vom Juli aufgelöst, sagte Richterin Britta Erdös, die die Gerichtsentscheidung ohne Beisitzer und in Abwesenheit der streitenden Parteien verkündete. Darüber hinaus gehende Anträge des Klägers wurden abgewiesen.

Laut Gericht gibt es kein vertragswidriges Verhalten des Gekündigten. Die Stiftung hatte ihm vorgeworfen, eine Mitarbeiterin zu falschen Angaben gegenüber dem Rententräger hinsichtlich ihrer Beschäftigung in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora angestiftet zu haben. Dem folgte das Gericht nicht. Die per Honorarvertrag beschäftigte Mitarbeiterin habe die vereinbarten Leistungen für ein Forschungsprojekt zum Thema Polizei vorgelegt, die Prüfung, ob darüber hinaus sozialversicherungspflichtige Arbeiten erbracht wurden, habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis Hördlers.

Hördler hatte Antrag auf Wiedereinstellung zurückgezogen

Letztlich sei die Mitarbeiterin zu richtigen Angaben gegenüber der Deutschen Rentenversicherung Bund verpflichtet gewesen, mögliche Absprachen zwischen ihr und dem vorgesetzten Gedenkstättenleiter beträfen nicht das Vertrauensverhältnis zwischen Hördler und der Stiftung. Eine Beweiserhebung hielt das Gericht nicht für erforderlich.

Zu Beginn des Verfahrens vor einer Woche hatte Hördler einen Antrag auf Wiedereinstellung zurückgezogen, beide Seiten legten Auflösungsverträge mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Abfindung vor. Das Gericht sprach Hördler viereinhalb Monatsgehälter zu. Gefordert hatte er siebeneinhalb Monatsgehälter, zahlen wollte die Stiftung zwei. Die Verfahrenskosten wies das Gericht der Stiftung zu.

Stellungnahme von Stiftung und Stiftungsrat

Stiftung und Stiftungsrat gaben am späten Vormittag eine erste gemeinsame Stellungnahme zum Prozessausgang ab. Danach nehmen die Leitung der Stiftung und der Stiftungsrat die abweichende Rechtsauffassung des Gerichtes zur Kenntnis. Kommentieren werde man das Urteil nicht, wie auch bei anderen Verfahren praktiziert. Allerdings hätten die Erwägungen des Gerichtes die Einschätzung der Stiftung, wonach keine Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr bestand, nicht geändert.

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