Frau mit Spaten geschlagen: 90-jähriges Opfer sagt vor Gericht aus

Erfurt.  Eine inzwischen 90 Jahre alte Frau, die das Opfer eines versuchten Mordes in Erfurt sein soll, hat nun im Prozess den Tathergang vor Gericht beschrieben.

Eine 90 Jahre alte Frau, die Opfer eines versuchten Mordes gewesen sein soll, hat am Donnerstag vor dem Landgericht Erfurt ausgesagt. Symbolfoto 

Eine 90 Jahre alte Frau, die Opfer eines versuchten Mordes gewesen sein soll, hat am Donnerstag vor dem Landgericht Erfurt ausgesagt. Symbolfoto 

Foto: Kai Mudra

Die Frau war Ende Juni vor einem Jahr in ihrem Wohnhaus am Stadtrand von Erfurt überfallen und mit einem Spaten niedergeschlagen worden. Die Zeugin machte für ihr Alter und der erlittenen Verletzung vor Gericht einen regen Eindruck und beantwortete weitgehend souverän die Fragen der Prozessbeteiligten.

Nach eigenen Angaben hat sie inzwischen keine Schmerzen mehr wegen des Schlags mit dem Spaten auf den Kopf und auch keine Probleme mehr mit ihrer Schulter. Allerdings höre sie seither nicht mehr so gut. Das sei eine Folge des Überfalls. Auch träume sie manchmal noch von dem Mann, der in ihr Wohnzimmer gekommen sei. Psychische Beeinträchtigungen habe sie nicht erlitten. Sie lebe auch weiterhin in ihrem Haus.

Den Täter beschreibt die Frau als nicht so groß und schwarz oder dunkel gekleidet. Er soll eine Holzmaske getragen haben. Zu Haaren oder Augen oder Schuhen konnte die Zeugin in der knapp anderthalbstunden langen Befragung vor Gericht keine genauen Angaben machen. Sie vermute unter anderem wegen der Kleidung, dass es ein Mann gewesen sei.

Dieser sei abends plötzlich in ihrem Wohnzimmer mit einem Spaten in der Hand gewesen und darin herumgelaufen. „Immer hin und her“, beschreibt die 90-Jährige die Situation des Überfalls. Sie sei erschrocken gewesen und stand unter Schock. Sie habe nicht gehört, dass die Tür aufgebrochen wurde. Der Täter soll nicht gesprochen haben.

An den Schlag mit dem Spaten auf den Kopf fehlt der Zeugin jede Erinnerung. Sie weiß auch nicht, wie ihr Schwiegersohn sie am darauffolgenden Morgen, schwer verletzt im Flur liegend, aufgefunden habe. Die Erinnerung komme erst mit ihrem Aufwachen im Krankenhaus wieder, erzählte die Zeugin.

Den Angeklagten erkennt die betagte Dame nicht als Täter wieder. Sie könne nicht sagen, ob der Angreifer in ihrer Wohnung vor einem Jahr der vor ihr stehende Angeklagte sei. Das Gericht hatte den 41-jährigen Marcel W. gebeten, sich einmal vor die Frau zu stellen.

Dem Angeklagten werden in acht Fällen Wohnungseinbrüche vorgeworfen. Dabei soll er Gegenstände und Bargeld im Wert von 35.000 Euro gestohlen haben.

Wegen des Einbruchs in das Haus der damals 89-Jährigen ist der Mann zudem wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er hat einen Teil der Einbrüche eingeräumt, bestreitet aber den Überfall auf die Frau.

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