Gericht verurteilt Erfurter Polizisten wegen Diebstählen an Tatorten

Erfurt. Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung - so lautete das Urteil im Prozess gegen einen 48-jährigen Kriminalhauptmeister aus Erfurt.

Der Beamte steckte Schmuck, Uhren, Digitalkameras, Handys und häufig EC-Karten von den Tatorten ein. Foto: Julius Jasper Topp

Der Beamte steckte Schmuck, Uhren, Digitalkameras, Handys und häufig EC-Karten von den Tatorten ein. Foto: Julius Jasper Topp

Foto: zgt

Das Gericht war überzeugt davon, dass der Mann in den vergangenen fünf Jahren während seiner Arbeit bei der Spurensicherung von Toten und Einbruchsopfern gestohlen hatte. Er steckte Schmuck, Uhren, Digitalkameras, Handys und häufig EC-Karten von den Tatorten ein. Auch eine geringe Menge Drogen wurde in seiner Wohnung gefunden. Aufgeflogen war er schließlich, weil Angehörigen aufgefallen war, dass Tage und Wochen nachdem der Kontoinhaber verstorben waren, Geld abgehoben wurde.

Ein Geldautomat mit Kamera lichtete den 48-Jährigen Polizisten ab, als er versuchte Bares mit einer gestohlenen EC-Karte abzuheben. Dieses Bild führte die Ermittler schlussendlich auf die Spur ihres Kollegen. Der Verurteilte wurde von anderen Polizisten als sehr versierter Kriminalbeamter beschrieben. Seine Expertise als Kriminalist bewahrte ihn offenbar aber nicht davor, Spuren zu hinterlassen: So verkleidete er sich zwar, als ihn der Automat fotografierte, zog sich eine Baseball-Mütze tief ins Gesicht, trug zudem einen Schal und ein Brillengestell. All diese Gegenstände fanden die Ermittler allerdings später im Handschuhfach seines Autos.

In seiner Wohnung wurde eine große Menge Diebesgut sichergestellt unter anderem eine Uhr und ein Armreif, die angeblich bei einem Einbruch gestohlen wurden. Die Beweise brachten den Mann in Verbindung mit über einem Dutzend verschiedener Tatorte.

Der 48-Jährige bestreitet die Taten. Er versuchte die vielen gestohlenen Waren in seiner Wohnung mit einer Ausrede zu erklären: Er habe ein großes Paket mit Dingen auf dem Erfurter Nachtflohmarkt gekauft. Dieses ominöse Paket enthielt scheinbar ausschließlich gestohlene Ware von Tatorten, zu denen er zur Spurensicherung ausgerückt war.

Entwendete EC-Karten fanden sich ebenfalls in seiner Wohnung. Die konnte der Angeklagte nicht mit dem mysteriösen Nachtflohmarkt-Paket erklären. Die, so der Angeklagte, hätte er nur aus Schusseligkeit behalten. Bei einer Karte sagte er etwa, er habe sie bei einer Durchsuchung gefunden und dann vergessen, sie einzutüten. Eine ähnliche Ausrede fand er für eine kleine Menge Methamphetamin und ein Handy.

In einem Fall war er zur Spurensicherung gerufen worden, weil ein Toter im Flur einer Wohnung lag. Der Beamte soll die Verwirrung der Lebensgefährtin des Verstorbenen ausgenutzt haben, um nach Wertgegenständen zu suchen. Er drängte darauf, dass er den Personalausweis des Toten sehen müsse, um dessen Identität zu klären. Das sei als Spurensicherer allerdings überhaupt nicht seine Aufgabe, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündigung. Er habe ganz offensichtlich nach dem Portemonnaie des Toten gesucht.

Das Urteil fiel mit zwei Jahren Freiheitsstrafe milder aus, als von der Staatsanwaltschaft gewollt - die forderte dreieinhalb Jahre Haft. Für die Bewährungsstrafe habe man sich entschieden, weil der 48-Jährige keine Vorstrafen hat. Dennoch: Sollte das Urteil rechtskräftig werden, verliert der Polizist seine Anstellung, den Beamtenstatus und seine Rentenansprüche. Er habe das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei erschüttert, sagte die Richterin abschließend.