Gerichtsbericht: Vier Jahre Haft für sexuellen Missbrauch

Er ist jedes Mal 400 Kilometer gefahren, um sie zu sehen. Sie habe sich gefreut, dass er kam. Er sei verknallt in sie gewesen, sagt er. Sie habe seine Zärtlichkeiten genossen, sagt sie. Er ist 27, sie war elf.

Erfurt. Und deshalb ist diese Geschichte nur auf den ersten Blick eine Liebesgeschichte. Gestern wurde sie im Erfurter Landgericht verhandelt. Kennengelernt hatten sich beide über eine Internetseite, ihr Foto habe ihm gefallen, sagt der Angeklagte. Viermal habe er sie besucht, viermal habe er sie missbraucht, heißt es in der Anklage.

Auch wenn kein Druck dahinter stand, auch wenn sie es wollte, auch wenn sie seine Zärtlichkeiten genossen habe, auch wenn sie älter als elf Jahre aussehe, es bleibe sexueller Missbrauch eines Kindes. Und das Kind treffe daran keine Schuld, betonte Holger Pröbstel, Vorsitzender Richter der Jugendschutzkammer des Erfurter Landgerichts. Vier Jahre Haft – so das Urteil für den 27-Jährigen.

Der Angeklagte hatte sofort alles eingeräumt: dass er wusste, dass das Mädchen erst elf ist, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen ist, dass er wusste, dass das verboten ist.

Ein volles und umfangreiches Geständnis, dass es so nur selten gebe, betonte Pröbstel. Ein Geständnis, dass dem Kind die Aussage vor Gericht ersparte und bei der Strafzumessung zugunsten des Angeklagten berücksichtigt wurde.

Das Kind wird inzwischen vom Kinderschutzdienst betreut, gemeinsam mit den Eltern wolle man die schwierige Situation aufarbeiten, sagte der Anwalt der Familie. Das Verfahren kam ins Rollen, als der Vater der inzwischen 12-Jährigen einen Liebesbrief gefunden hatte.

Staatsanwältin und Nebenklage hatten viereinhalb Jahre Haft gefordert, der Verteidiger drei Jahre und zehn Monate. Der Angeklagte hatte eine Vorstrafe wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften.

Trotz des Geständnisses müsse die Strafe spürbar sein, hieß es im Urteil. "Wir müssen verhindern, dass es weitere Opfer gibt", so der Vorsitzende Richter. Dem Angeklagten empfahl er eine Therapie.

Das Urteil ist rechtskräftig.