Hunde töten Schafe: Kein Schadenersatz

Schwabhausen. Land zahlt nur bei Angriff durch den Wolf. Schäfer sind misstrauisch: Seit Jahren keinen streunenden Hund gesehen

Gerd Steuding aus Schwabhausen mit seiner Schafherde. Er verlor zehn Tiere. Foto: Dirk Bernkopf

Gerd Steuding aus Schwabhausen mit seiner Schafherde. Er verlor zehn Tiere. Foto: Dirk Bernkopf

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Zehn Tiere hat Schäfer Gerd Steuding aus Schwabhausen durch den Angriff streunender Hunde verloren – bisher. Sieben Schafe wurden über Pfingsten totgebissen, drei verletzte stehen seit vier Wochen apathisch in der Krankenbucht im Stall. Schaden: 2000 Euro. Folgeschäden sind noch gar nicht eingepreist.

Den Verlust wird ihm wohl keiner ersetzen. Denn es waren Hunde, die sich unter dem Stromzaun durchgruben und innerhalb des Gatters die Schafe massakrierten. Hätte der Wolf zugeschlagen, Steuding ginge es besser, zumindest finanziell. Dann hätte das Land ihn aus dem Wolfsfonds entschädigt.

Nach Scherzen ist Steuding nicht zumute. Dann sagt er dennoch, in einem Anflug von Galgenhumor: „Thüringen hat das erste Wolfsgebiet. Jetzt weisen wir es als Hundegebiet aus.“

Dann redet Steuding nicht von sich, aber davon, was so ein Angriff auslösen kann. Ein Schäfer konnte anschließend viele Nächte nicht mehr schlafen; ein anderer wurde krank und konnte lange Zeit nicht arbeiten.

„Was ist mit der emotionalen Entschädigung?“ hat ein Bekannter gefragt. Eine passende Antwort fiel Steuding nicht gleich ein. Er sagt nur: „Normalerweise gehört der Wolf nicht in die hochzivilisierte Welt.“

Denn ein Restzweifel bleibt, Argwohn, dass alles doch anders war. Viele Schäfer denken, trotz des Labortests genetischer Spuren: Das war kein Hund.

„Ich lasse die Schafe seit sieben, acht Jahren hier weiden, und ich habe hier noch nie einen streunenden Hund gesehen“, sagt Steuding. Auch der Rissgutachter, habe er gehört, sei total erschüttert. Der Biss sah absolut nach Wolf aus, wie aus dem Lehrbuch. „Der Gutachter ist von Wolke sieben gefallen.“

An die nächsten Folgen der Attacke mag Steuding nicht denken. Gestresste Schafe bringen oftmals keine Lämmer mehr zur Welt. „Hast du schon an die 200 Lämmer gedacht, die dieses Jahr nicht zur Welt kommen?“, hat ein Bekannter, der sich da gut auskennt, vor Tagen gefragt. Etwa 600 Schafe lässt Steuding bei Schwabhausen weiden. „Pro Schaf rechnet man mit 1,5 Lämmern.“ Normalerweise.

Ein Weg bleibt: die Anzeige gegen die unbekannten Hunde und deren Halter. Werden die ermittelt, könnte zumindest der materielle Schaden ersetzt werden. Steuding überlegt.

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