Keine Reue: Mittelfinger im Vergewaltigungsprozess von Erfurt

Erfurt  Seinen Mittelfinger zeigt der Angeklagte beim Verlassen des Schwurgerichtssaals in Erfurt. Reue sieht anders aus, wird manch einer gedacht haben. An der Verhandlung nehmen auch das Vergewaltigungsopfer als Nebenklägerin sowie ihr Ehemann als Zuschauer teil.

Diese Geste beim Verlassen des Gerichtssaals nach Verlesen der Anklage ist deutlich.

Diese Geste beim Verlassen des Gerichtssaals nach Verlesen der Anklage ist deutlich.

Foto: Kai Mudra

Nur wenige Minuten vor der beleidigenden Geste hat Staatsanwältin Claudia Polz die Anklage gegen den 32-Jährigen verlesen. Wegen Vergewaltigung im besonders schweren Fall, schwerer Körperverletzung sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte muss sich der Mann verantworten.

Es ist eine brutale Tat, die er im August des Vorjahres begangen haben soll. Offenbar schon mit einem Stock bewaffnet, schlägt er laut Anklage sein Opfer nieder. Kopf, Oberkörper und Rücken werden von mehreren Schlägen getroffen.

Gericht hat noch zwei Verhandlungstage geplant

Die Frau war an diesem Vormittag, also am helllichten Tag, zwischen Messe und dem Erfurter Ortsteil Hochheim mit ihrem Hund spazieren. Am Boden liegend, soll sie der Angreifer in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt haben. Staatsanwältin Polz zählt die Verletzungen auf. Der gesamte Körper der Frau war übersät mit Wunden, Abschürfungen und Blutergüssen. Als der 32-Jährige wieder von ihr abgelassen habe, sei ihr die Flucht gelungen, so die Staatsanwaltschaft.

Schweigend nimmt der 32-jährige Iraker die Anklage zur Kenntnis. Ein Dolmetscher übersetzt. Auch die Nebenklägerin lässt kaum eine Regung erkennen. Ihr Ehemann wirkt entsetzt. Erneut zu hören, was seiner Frau angetan wurde, nimmt ihn sichtlich mit.

Auf die Spur des Angeklagten führte die Ermittler sein Fingerabdruck auf Teilen des Handys seines Opfers. Ein Polizist hatte das Gerät bei einer privaten Suchaktion gefunden. Der 32-Jährige ist anerkannter Asylbewerber und lebt seit 2009 in Deutschland.

Für den gestrigen Tag ist nur das Verlesen der Anklage geplant. Auf die Frage von Richter Lars Schmidt erklärt Verteidiger Stephan Rochlitz, noch nicht sagen zu können, ob sein Mandant am kommenden Verhandlungstag eine Erklärung abgibt.

Nach der Verhandlung weist der Anwalt darauf hin, dass von einem Psychiater ein Gutachten erstellt wurde. Details wollte er nicht nennen. Darin könnte es auch um die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten gehen.

Das Gericht erklärt zuvor, dass am kommenden Verhandlungstag auch zwei Gutachter mit anwesend sein werden: Ein Psychiater und ein Experte der Rechtsmedizin. Aktuell sind noch zwei Prozesstage vorgesehen.