Kreuzworträtsel-Mord: Ermittlungen gegen Thüringerin stehen vor dem Abschluss

Erfurt. "Wir machen Geschichte" - so bewirbt der Sutton Verlag seine Bücher. Jetzt sieht es fast danach aus, dass sich dieser kühne Werbespruch erfüllen würde. Zumindest könnte der Verlag ein bisschen Justizgeschichte schreiben. Kerstin Apel war die Freundin des Täters in dem berüchtigten Fall. Aus ihren Erfahrungen hat sie einen Roman gemacht.

Die Autorin des Buches, Kerstin Apel, lebt heute in Thüringen. Foto: Sutton Verlag/dpa

Die Autorin des Buches, Kerstin Apel, lebt heute in Thüringen. Foto: Sutton Verlag/dpa

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Ob unverhofft, das scheint nicht ganz klar zu sein.

Wie vieles in diesem Fall.

Vor sechs Wochen gab das Haus einen Krimi heraus. Ein Debütwerk der 49-jährigen Autorin Kerstin Apel, die heute in Thüringen lebt. Um eine Berliner Journalistin geht es da, die einen lange zurückliegenden Mordfall noch einmal untersucht. Ein sehr mittelmäßig geschriebenes Buch, das wohl auf dem Markt Mühe gehabt hätte.

Wenn die Autorin darin nicht erklärterweise "literarisch ihre eigenen traumatischen Erfahrungen" verarbeitet hätte.

Und wenn es sich dabei nicht nicht um jenen "Kreuzworträtselmord" handeln würde, der zum vielleicht spektakulärsten Kriminalfall in der DDR wurde.

Halle-Neustadt im Januar 1981. Ein siebenjähriges Kind verschwindet. Zwei Wochen später findet die Polizei die Leiche des misshandelten Jungen in einem Reisekoffer. Zeitungen mit ausgefüllten Kreuzworträtseln sind es, die auf die Spur des Mörders führen.

Was nie bekannt wurde: Karin Apel, die Autorin, musste damals entdecken, dass ihr damaliger Freund den Siebenjährigen in der Wohnung ihrer Mutter ermordet hatte. So steht es auf dem Klappentext. So kann man es nachlesen im Buch, mit detaillierten Schilderungen der grausamen Tat.

"Dies ist ein Roman", heißt es zu Beginn. Die Handlung basiere auf "tatsächlichen Ereignissen" , sei aber frei erfunden.

Für die Staatsanwaltschaft Halle war das trotz reklamierter literarischer Freiheiten Grund, ein Ermittlungsverfahren gegen Kerstin Apel einzuleiten.

Wegen Mordes.

Als Freundin des Täters wurde sie vor 30 Jahren von der Polizei vernommen. Es gebe Widersprüche zwischen den Aussagen von damals und ihrer jetzigen Darstellung, begründet der Sprecher der Staatsanwaltschaft Klaus Wiechmann die Entscheidung. Da sei es doch geboten, die aufzuklären.

Mord verjähre nicht und es gebe verschiedene Beteiligungsformen an Mord. Ob es zu Anklage und Prozess kommt, werde man wissen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Die Ermittlungen vor 30 Jahren leitete der Kriminalbeamte Siegfried Schwarz. Zum Fall Kerstin Apel will er heute nichts mehr sagen. Nicht nur, weil es ein laufendes Verfahren sei und er den Kollegen nicht ins Handwerk pfuschen will. "Ich habe mir aus Rücksicht auf die Angehörigen des Opfers Schweigen auferlegt", erklärte der Ermittler im Ruhestand gegenüber unserer Zeitung.

Mit dem Rummel um dieses Buch müsse die Mutter all das Geschehene noch einmal durchleben. "Das ist unerträglich."

Der Sutton-Verlag seinerseits sah sich bereits kurz nach Erscheinen des Buches gezwungen, seine Autorin wegen massiver Drohungen aus dem Schussfeld zu nehmen. Lesungen wurden abgesagt. Kerstin Apel ist für Interviews nicht zu sprechen.

Natürlich, beteuert Marketingleiter Andreas Ströbel, habe man im Vorfeld über mögliche Konsequenzen gesprochen. Man hatte aber den Eindruck, dass sich Kerstin Apel die Dinge von der Seele schreiben wollte.

Immerhin, der Verkauf bewegt sich im "vierstelligen Bereich". In der dritten Auflage.

Über den medialen Rummel sei man allerdings doch etwas überrascht gewesen.

Das sagt auch die Anwältin der Autorin, Monika Tippelhoffer. Darüber, dass es Reaktionen von der Staatsanwaltschaft geben würde, nicht so sehr. Doch ob man dort die künstlerische Freiheit eines Romans für bare Münze nehmen werde, müsse man abwarten. Ihre Mandantin habe im Übrigen bis jetzt kein Schreiben von der Staatsanwaltschaft Halle erhalten.

Das mag man dort weder bestätigen noch dementieren. Ein laufendes Verfahren, man wisse doch . . . Dennoch zeigt man sich zuversichtlich, die Ermittlungen zügig abzuschließen.

Womöglich noch im März.