Nicht willkommen im Flüchtlingsheim: Syrer wollte nur noch weg

Bornhagen  Gerichtsbericht: Asylbewerber aus dem Kosovo, die schon im Bornhagener Flüchtlingsheim wohnten, zeigten sehr deutlich, dass sie die neuen, syrischen Mitbewohner nicht haben wollten. Ein Syrer wollte deshalb in den Transferbus zurück - und durfte nicht.

Die Frage ist, wem das Gericht am Ende glaubt. Foto: dpa

Die Frage ist, wem das Gericht am Ende glaubt. Foto: dpa

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Im Dezember 2015 wurden zwei Syrer zur Gemeinschaftsunterkunft nach Bornhagen gebracht. Dort waren bereits Asylbewerber aus dem Kosovo einquartiert, die sehr deutlich machten, dass sie die beiden neuen Mitbewohner nicht haben wollten.

Ein damals noch 24 Jahre alter Syrer saß nun vor dem Amtsgericht Heiligenstadt, weil er in jener Nacht handgreiflich wurde. Er wollte unbedingt in den Transferbus zurück. Doch das ging nicht, wie der damals zuständige Sozialbetreuer vor Gericht schilderte. Sie hätten den Bus verriegelt, damit der Mann nicht wieder einsteigen konnte. Das akzeptierte der Flüchtling nicht und wurde handgreiflich. Während der Sozialbetreuer lediglich "eine gewischt" bekam, schlug er den Busfahrer in den Rücken.

Vor Gericht bestritt der Syrer alle Vorwürfe. Er würde niemals in einem Land die Menschen schlagen, die ihn so gastfreundlich aufgenommen haben.

Er gab zu, dass er an dem Abend unbedingt in das Auto zurückwollte, das ihn nach Bornhagen gebracht hatte. Sie seien da nicht willkommen gewesen. Es habe sich auch in der Hitze des Gefechts etwas zugespitzt, aber gewalttätig sei er nicht geworden. Der zuständige Staatsanwalt wies daraufhin, dass ein Geständnis in Deutschland Pluspunkte bringt und dass die Zeugen wohl den Vorfall ohnehin anders schildern werden.

Syrer legt umfassendes Geständnis ab

Die Frage sei dann, wem das Gericht am Ende glaube. Der an dem Tag zuständige Sozialbetreuer berichtete von einem langen Transfertag. Beim letzten Transport habe es dann Ärger gegeben. Um aus der Situation herauszukommen, hätten er und sein Kollege sich zurückziehen und schnell in den Bus einsteigen wollen.

Das gelang aber nicht, sondern habe sich so zugespitzt, dass sie schließlich die Polizei riefen. Die sei aber erst beim zweiten Anruf gekommen. Bis dahin hätten sie vergebens versucht, die beiden Syrer vom Bus fernzuhalten, damit sie losfahren konnten.

Irgendwann seien sie ins Dorf gegangen, weil ihnen das "zu heiß gewesen" sei. Dem späteren Angeklagten sei die Hand ausgerutscht. Er denke aber, dass das nicht absichtlich, sondern im Eifer des Gefechts gewesen sei. Er habe auch nicht gewollt, dass sich daraus so ein Verfahren entwickelt, sagte der 37-Jährige. Die anderen Bewohner wollten wohl keine Muslime haben, will er gehört haben. Nach einer weiteren Unterbrechung mit anwaltlicher Beratung legte der Syrer, der mittlerweile einen Job hat, dann doch noch ein umfassendes Geständnis ab. Er entschuldigte sich bei den Geschädigten.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren vorläufig eingestellt, da seit dem Vorfall nichts mehr passiert sei. Der Syrer muss nun insgesamt 300 Euro Auflage an den Caritasverband zahlen.

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