NSU-Ermittler gestehen Fehler ein

Erfurt. Die Thüringer Polizei verwechselte am Eisenacher Tatort eine Hülse mit einer Patrone - und einiges mehr.

Am 4. November 2011 starben die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in diesem Wohnmobil in Eisenach. Archiv-Foto: Sascha Willms

Am 4. November 2011 starben die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in diesem Wohnmobil in Eisenach. Archiv-Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

Die Landtagsabgeordnete Katharina König (Linke) wählte vorsichtshalber den Konjunktiv. Sollten sich die Berichte "zu schlampigen und fehlerhaften Ermittlungen am Wohnmobil im November 2011 in Eisenach bestätigen, wäre das ein handfester Skandal", sagte sie.

Worum geht es? Vor gut drei Jahren erschoss Uwe Mundlos seinen Freund Uwe Böhnhardt in jenem Wohnwagen - und danach nicht selbst. Zwischendurch soll Mundlos noch Feuer gelegt haben. So sehen es jedenfalls die beteiligten Ermittler - und so behauptet es die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklageschrift im NSU-Prozess.

Die Tatwaffe war eine Pumpgun. Unter anderem die zwei Patronenhülsen, die im Camper gefunden wurden, schienen diesen Tathergang zu bestätigen. Jedoch tauchte schon im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss die Frage auf, wieso es sich um zwei Hülsen handelte. Schließlich wird bei einer derartigen Waffe die Hülse erst beim Nachladen ausgeworfen.

Wenn aber Mundlos erst Böhnhardt und dann sich selbst erschoss: Wer lud dann beim zweiten Mal nach? Gab es vielleicht doch einen dritten Beteiligten, den ja ein Zeuge damals gesehen haben wollte? Oder fiel die Hülse einfach heraus, wie der damalige Chefermittler Michael Menzel meint? Warum aber waren dann noch fünf Pa-tronen in dem sechs Patronen fassenden Magazin?

So, als ob es nicht schon genügend Fragen gäbe, hat nun das Thüringer Landeskriminalamt für neue gesorgt. Schon im September erstellte die Behörde einen "Korrekturvermerk", den das Bundeskriminalamt nun den Beteiligten im NSU-Prozess zukommen ließ. Darin gestehen die Ermittler "Fehler" bei Protokollierung der Spuren am Tatort ein. Eine gefundene Patrone sei irrtümlich als Hülse bezeichnet worden. Auch sonst hätten allerlei Beschriftungen und Zuordnungen leider nicht gestimmt.

Allerdings schreibt das BKA, dass sich "keine Änderungen in Bezug auf die bisherigen Feststellungen zum Tatablauf" ergäben. Auch Menzel sagte gestern, dass sich mögliche Irritationen mithilfe der "peinlich genauen" Dokumentation des Tatorts leicht ausräumen ließen.

Sowieso bleibt die These vom dritten Täter für Menzel "Unsinn". Gut möglich, dass er dies vor dem neuen NSU-Untersuchungsausschuss nochmals darlegen muss. Der Landtag will diese Woche die Einsetzung des Gremiums beschließen. Thüringen