NSU-Prozess: Das Wiedersehen mit der Großmutter

München. Beate Zschäpe dürfte dem Donnerstag entgegenfiebern, sich vielleicht aber auch vor der Begegnung fürchten. Am 126. Verhandlungstag im NSU-Prozess in München könnte es zum Wiedersehen mit ihrer Oma kommen. Die betagte Seniorin ist für den Nachmittag als Zeugin geladen.

Am Donnerstagnachmittag soll die Großmutter von Beate Zschäpe aussagen. Archiv-Foto: Peter Kneffel/dpa

Am Donnerstagnachmittag soll die Großmutter von Beate Zschäpe aussagen. Archiv-Foto: Peter Kneffel/dpa

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Ihre Enkelin wird nur wenige Meter von ihr entfernt auf der Anklagebank sitzen. Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe unter anderem Bildung einer terroristischen Vereinigung sowie Mittäterschaft bei zehn Morden vor.

Blickkontakt mit ihrer Oma wäre jederzeit möglich. Ein Wortwechsel vor Gericht scheint dagegen eher unwahrscheinlich. Ob die betagte Dame überhaupt aussagt, ist ungewiss. Die Oma soll deutlich stärker als ihre Mutter für Beate Zschäpe Bezugsperson sein. Vor Gericht hatte ihre Mutter bei ihrer Aussage weitgehend geschwiegen.

Doch die Hauptangeklagte steht auch gleich zu Beginn dieser Prozesswoche im Mittelpunkt der Verhandlung. Am 4. November 2011 sollen sich ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Wohnmobil bei Eisenach erschossen haben. Zwei Polizisten entdeckte kurz davor ihr Fahrzeug, nach dem gesucht wurde, weil sich darin zwei Verdächtige eines Sparkassenüberfalls aufhalten sollen.

Als sich die beiden Beamten dem Fahrzeug näherten, hörten sie mehrere Knallgeräusche. Kurz darauf ging das Wohnmobil, das in einer Siedlung am Stadtrand von Eisenach abgestellt war, in Flammen auf. Etwa drei Stunden später wurde Beate Zschäpe an diesem Tag von ihren Nachbarn in der Zwickauer Frühlingsstraße das letzte Mal dort gesehen. Kurz nachdem sie ihr Haus verlassen hatte, soll die von ihr sowie Mundlos und Böhnhardt genutzte Wohnung explodiert sein.

Später rekonstruierten die Ermittler für die folgenden Tage eine Odyssee der Hauptangeklagten durch Deutschland. Am Samstagnachmittag soll sie dabei auch in Eisenach an dem Ort vorbei gekommen sein, an dem Mundlos und Böhnhardt gestorben sind. Einer Bewohnerin war damals die Frau, die nicht in der Siedlung lebte, aufgefallen. Sie ist für Dienstagmorgen als Zeugin geladen.

Eigentlich hätte die Polizei damals bereits die Möglichkeit gehabt, die nach dem Wohnungsbrand in Zwickau gesuchte Beate Zschäpe zu ergreifen. Doch an diesem Samstagnachmittag beobachtete keiner der Beamten den Tatort vom Tag zuvor in Eisenach-Stregda. Zschäpe stellte sich erst am darauffolgenden Dienstag, also ganze drei Tage später, in Jena der Polizei. Dort hatten die Ermittler die Wohnungen von Großmutter und Mutter dann im Blick.

Am Mittwoch soll mit Matthias D. ein weiterer mutmaßlicher Helfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) vom Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts befragt werden. Gegen den Zeugen ermittelt die Bundesanwaltschaft. Er steht im Verdacht, in Zwickau unter anderem eine Wohnung gemietet zu haben, in der das Trio dann gelebt haben soll. Auch bei diesem Zeugen ist es fraglich, ob er Angaben machen wird, da er sich selber mit seiner Aussage nicht belasten muss.

Für Mittwochnachmittag wurde vom Gericht zudem der älteste Bruder von Uwe Böhnhardt als Zeuge geladen. Von ihm erhoffen sich die Prozessbeteiligten Details zum Leben und dem sozialen Umfeld des 2011 Gestorbenen. Die Eltern von Uwe Böhnhardt waren bereits vor Gericht befragt worden. 1988 starb bei einem nie gänzlich aufgeklärten Unfall offenbar beim Klettern an einer Burgruine in der Nähe der Wohnung der Böhnhardts in Jena der mittlere Bruder der Familie.

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