NSU-Prozess: Der Angeklagte und seine Frau

München. In dieser Woche ist Jaqueline Wohlleben als Zeugin geladen. Doch sie muss nicht reden - im Unterschied zum älteren Bruder von Uwe Böhnhardt.

Ralf Wohlleben im Gerichtssaal. Er ist der Beihilfe zu neunfachem Mord angeklagt, weil er dem NSU-Trio die Tatwaffe besorgt haben soll. Foto: Tobias Hase/dpa

Ralf Wohlleben im Gerichtssaal. Er ist der Beihilfe zu neunfachem Mord angeklagt, weil er dem NSU-Trio die Tatwaffe besorgt haben soll. Foto: Tobias Hase/dpa

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Im November 2011 änderte sich das Leben von Jaqueline Wohlleben radikal. Der selbsternannte NSU flog spektakulär auf - und ihr Mann Ralf wurde verhaftet, weil er seine alten Freunde Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe im Untergrund unterstützt und mit mindestens einer Waffe versorgt haben soll. Sie selbst verlor ihren Job in einem Jenaer Kindergarten, weil im Zuge der Ermittlungen ihre eigene NPD-Vergangenheit offenkundig wurde.

Seither zieht die Mutter die beiden gemeinsamen Töchter allein auf. Ralf Wohlleben sieht sie nur selten. Anfangs konnte sie ihn noch mit den Kindern im Gefängnis Tonna bei Gotha besuchen. Doch seit deutlich über einem Jahr ist er in München inhaftiert, wo ihm der Prozess gemacht wird. Das hat die Besuche verkompliziert.

Die weite Anreise ist wohl auch ein Grund dafür, dass Jaqueline Wohlleben kaum ihr Recht nutzte, ihren Mann im Gerichtssaal zu unterstützen. Eigentlich ist sie als Beistand des Angeklagten angemeldet. Theoretisch könnte sie daher an allen Verhandlungstagen neben Ralf Wohlleben auf der Anklagebank sitzen. Praktisch geschah dies so gut wie nie.

An diesem Mittwoch allerdings muss Jaqueline Wohlleben im Saal A 101 des Münchner Justizzentrums erscheinen. Sie ist als Zeugin geladen und wird schräg gegenüber der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, ihrem Mann und den drei anderen Angeklagten Holger G., Carsten S. und André E. Platz nehmen.

Doch dass sie aussagt, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Als Ehefrau des Angeklagten steht ihr das volle Zeugnisverweigerungsrecht zu - obschon sie gewiss etwas mitzuteilen hätte.

Eine Helferin in der NPD

Schließlich ist sie nicht nur seit mehr als zehn Jahren mit Wohlleben zusammen: Sie war auch eine seiner wichtigsten Helferinnen in der Jenaer NPD. Laut den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes amtierte sie als Schatzmeisterin des Kreisverbandes, deren Vorsitzender Ralf Wohlleben war. Sie trat offenbar erst gemeinsam mit ihrem Mann im Jahr 2010 aus der Partei aus.

Auch gerne im Zusammenhang mit ihr zitiert wird ein Vermerk des Bundeskriminalamtes. Darin ist festgehalten, dass die Frau zwischen 1999 und 2001, also noch vor ihrer Beziehung zu Wohlleben, in München lebte. Dort wurde der türkische Lebensmittelhändler Habil Kilic am 29. August 2001 mutmaßlich von Böhnhardt und Mundlos erschossen.

Doch die Zeugin muss ja nichts sagen - im Gegensatz zu Jan Böhnhardt. Er ist der ältere Bruder von Uwe Böhnhardt, der der vor zweieinhalb Jahren nach einem Raubüberfall in Eisenach starb. Die Strafprozessordnung räumt deshalb den Verwandten nicht das Recht ein, die Aussage zu verweigern.

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