NSU-Prozess: Kai D. wurde nach eigener Aussage vom bayrischen Verfassungsschutz instruiert

München. Kai D., V-Mann des bayrischen Verfassungsschutzes, setzte am Mittwoch seine Aussage vor dem Münchener Oberlandesgericht fort - und verzichtete dabei nicht auf eine große Portion Selbstgerechtigkeit.

Am Mittwoch wurde Kai D. vor dem NSU-Prozess verhört. Er habe während seiner Besuche in Thüringen Mitte und Ende der 90er Jahre festgestellt, dass die Szene sich dort zunehmend militarisiere. Archivfoto: Marc Müller/dpa

Am Mittwoch wurde Kai D. vor dem NSU-Prozess verhört. Er habe während seiner Besuche in Thüringen Mitte und Ende der 90er Jahre festgestellt, dass die Szene sich dort zunehmend militarisiere. Archivfoto: Marc Müller/dpa

Foto: zgt

In der Verhandlung am Mittwoch fügte er auf die Frage einer Nebenklägerin außerdem hinzu, dass der bayrische Verfassungsschutz ihn instruiert habe, in der rechtsextremen Szene aktiv zu werden. Der Neonazi war bis zum Ende der 90iger Jahre im Fränkischen Raum und auch in Thüringen aktiv. Er berichtete bereits bei seiner letzten Aussage vom Verhältnis zum Thüringer Nazi Tino Brandt. Der habe immer einen radikaleren Flügel der Szene vertreten, während es ihm, Kai D., wichtig gewesen sei, sich politisch zu etablieren, erzählte er. Er sparte allgemein nicht mit Lob, wenn es um ihn selbst ging.

Dem wurde allerdings bereits im Vorfeld durch Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke vor dem NSU-Untersuchungsausschuss im Bayrischen Landtag widersprochen: Kai D. sei ein Drahtzieher gewesen, einer, der die militanten Strukturen im fränkischen Raum und auch in Thüringen aufgebaut habe. Vor Gericht gibt Kai D. indes eher den beflissenen Verfassungsschutzmitarbeiter, der stets zu allem Meldung machte.

Kai D. wurde von der Nebenklage mit einem Fernsehbericht von 1992 konfrontiert, in dem Neonazis paramilitärische Übungen auf dem Truppenübungsgelände Drosselsberg durchführten. Die präsentierten in dem Bericht stolz russische Blindgänger, die sie aus den Wäldern ausgegraben hätten und aus denen sie dann Bomben bauen wollten. Auch wofür trainiert wurde, erzählten die Protagonisten im Film: Die Nazis probten angeblich auf dem ehemaligen NVA-Gelände für den bewaffneten Häuserkampf - für das Bombardieren von Asylheimen etwa.

Solche Filmaufnahmen seien meist durch Bezahlung zustande gekommen, behauptet Kai D. Die Journalisten hätten den Kameraden ein "paar hundert D-Mark" zugesteckt. Dafür hätten die Kameras dann "besonders aggressive Nazis" zeigen können. Ihm sei so etwas nie untergekommen. Die schlimmste Waffe, von der er in Thüringer Nazi-Kreisen je gehört habe, sei ein Luftgewehr gewesen. Er selbst habe sich ja stets dagegen eingesetzt, militante Strukturen entstehen zu lassen.

Von dieser Aussage konnten ihn auch Beispiele der Nebenkläger nicht abbringen. Die verlasen etwa einen Kommentar aus dem Internet, in dem D. die Schüsse eines Nazis auf Polizisten hämisch kommentierte. Der angeblich so friedliebende ex-V-Mann hatte außerdem ein Buch für bewaffneten Personenschutz herausgegeben, in denen er auch aus Schriften zitierte, die den Bau von Bomben erklären. "Das bedeutet aber nicht, dass ich die gelesen habe", wusste er dazu vor Gericht zu sagen.

Er habe während seiner Besuche in Thüringen Mitte und Ende der 90er Jahre allerdings festgestellt, dass die Szene sich dort zunehmend militarisiere, sagte Kai D. In diesem Zusammenhang sprach er einmal von einer "Braunen Armee Fraktion" - also dem Nazi-Gegenstück zur RAF. "Ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich ein Näschen dafür, dass die Stimmung hier (in Thüringen) kippen könnte", sagte D. Später habe er aber keine Einflussmöglichkeiten mehr auf die dortige Szene gehabt.

Unter den Telefonnummern, die in der Jenaer Bombenwerkstatt von Böhnhardt und Mundlos gefunden wurden, fand sich allerdings auch seine Handynummer. Auch darauf hatte der V-Mann allerdings eine Antwort parat: Seine Nummer habe so ziemlich jeder in der rechtsextremen Szene in Deutschland gehabt. Er sei ja schließlich einer gewesen, der Kontakte aufbauen wollte.

NSU-Prozess: Paulchen Panthers zynischer Auftritt

NSU-Prozess: Das sächsische Unterstützer-Netzwerk wird Thema

Mehr zum NSU-Prozess

Rot-Rot-Grün will V-Leute nur noch in Ausnahmefällen einsetzen

Der korrekte Herr M. aus der Schweiz

Neonazi-Spitzel Brandt wegen Kindesmissbrauchs angeklagt

Zu den Kommentaren