NSU-Terrorist war seit 1996 beim Bundeskriminalamt erfasst

Berlin. In einer Datei war Uwe Böhnhardt als Sprengstofftäter eingetragen - lange, bevor seine Gruppe zu morden begann. Das wurde nun aus Kreisen des NSU-Untersuchungsausschusses in Berlin bekannt.

Bei dem Anschlag in Köln gab es im Jahr 2004 viele Verletzte. Das NSU-Trio verübte ihn. Archiv-Foto: F. Gambarini/dpa

Bei dem Anschlag in Köln gab es im Jahr 2004 viele Verletzte. Das NSU-Trio verübte ihn. Archiv-Foto: F. Gambarini/dpa

Foto: zgt

Uwe Böhnhardt war beim Bundeskriminalamt (BKA) seit dem Auffinden der Sprengstoffattrappen in Jena 1996 und 1997 als rechtsextremer Verdächtiger erfasst. Nach Angaben des CDU-Obmanns im NSU-Untersuchungsausschuss, Clemens Binninger, sei Böhnhardt unter anderem mit den Angaben "Koffer" und "rechtsradikal" in einer Spezialdatei beim BKA erfasst.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete sieht in der Eintragung eine verpasste Möglichkeit, nach dem Sprengstoffanschlag am 9. Juni 2004 in Köln-Mühlheim dem NSU-Terror-Trio auf die Spur zu kommen. Denn ein Video, dass der Polizei damals vorgelegen habe, zeige einen Tatverdächtigen mit einem Koffer. Die Ermittler hatten das Fahrrad, welches der Verdächtige in dem Video mit sich führte, als das identifiziert, welches für den Tag benutzt worden sein könnte. Vielleicht hätte eine Abfrage zu "Koffer" und "rechtsradikal" beim BKA Böhnhardt als Treffer ergeben, fragte der Abgeordnete Binninger am Donnerstag während einer Ausschusssitzung einen damals in Köln eingesetzten Sprengstoffermittler.

Fehlerhafte Nutzung der BKA-Datei

Der Polizei-Experte räumte ein, dass er nichts davon wisse, dass diese Datei auch mit Abfragen wie "rechtsradikal" genutzt werden könne. Zudem hatten die Kölner Experten ihre Anfragen auf nur fünf Jahre zurück begrenzt. Binninger erklärte, dass der Ausschuss in seinem Abschlussbericht unbedingt auf die fehlerhafte Nutzung der BKA-Datei eingehen müsse. Bei dem Anschlag in Köln soll ein Sprengsatz auf einem Fahrrad in der Nähe eines Friseurladens abgestellt worden sein.

Dieser Sprengsatz soll unter anderem 800 Zimmermannsnägel enthalten haben. 22 Menschen wurden damals teils schwer verletzt, der Friseurladen völlig verwüstet. Beim Bundeskriminalamt gibt es eine sogenannte "Tatmitteldatei USBV". In dieser Datensammlung werden Angaben über unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) gesammelt. Neben zahlreichen Angaben zu der Bauart, dem Sprengstoff und Tatzeiträumen registriert diese Datei auch Angaben zu Verdächtigen und Tätern. Laut Aussage von CDU-Obmann Clemens Binninger sollen insgesamt etwa 230 Fakten und Angaben für die Datei bei einem Sprengstoffvorfall erfasst werden.