Prozess in Gera: Angeklagte gesteht Missbrauch ihres Babys

Gera.  Die Angeklagte räumte vor Gericht ein, ihren damals erst wenige Monate alten Sohn schwer sexuell missbraucht zu haben. Gegen den mutmaßlichen Anstifter, Michael P., ist es das zweite Verfahren binnen eines Jahres.

Der Angeklagte Michael P. vor Gericht.

Der Angeklagte Michael P. vor Gericht.

Foto: Fabian Klaus / Mediengruppe Thüringen

Geständnisse am ersten Verhandlungstag am Landgericht Gera: Die heute 24-jährige Angeklagte Nadin M. hat eingeräumt, im Jahr 2015 ihren damals erst wenige Monate alten Sohn schwer sexuell missbraucht zu haben. Sie sitzt gemeinsam mit Michael P. auf der Anklagebank, der sie dazu angestiftet und von ihr verlangt haben soll, davon Videos – diese wurden teilweise im Gerichtssaal abgespielt – zu machen und diese ihm dann zu schicken. Auch P. räumte diese Vorwürfe ein.

2019 ist Michael P. bereits zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden

Für P. ist es binnen eines Jahres das zweite Verfahren, in dem ihm vorgeworfen wird, eine junge Frau dazu angestiftet zu haben, ein Baby zu missbrauchen. 2019 ist P. in Gera bereits zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden – der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil allerdings auf und es kommt seit Mittwoch zur erneuten Verhandlung am Landgericht.

Richter Harald Tscherner machte bereits zum Prozessauftakt sehr deutlich, dass er von den beiden Angeklagten ein Geständnis erwartet, soweit die ihnen vorgeworfenen Taten stimmen: „Die 9. Kammer ist keine Herz-Jesu-Kammer und kein Streichelzoo. Das sollte sich herumgesprochen haben.“ P. wartete zum Prozessauftakt ab, was seine damalige Mittäterin aussagt, um über eine eigene Aussage zu entscheiden.

Jenny O., vor einem Jahr noch auf der Anklagebank und zu einer rechtskräftigen Bewährungsstrafe verurteilt, musste diesmal im Zeugenstand Platz nehmen. Sie beteuerte, dass P. es gewesen sei, der sie im Sommer 2016 zu den sexuellen Handlungen an dem damals wenige Monaten alten Mädchen angestiftet hat und sie mit der Tat unter Druck setzte, als sie sich von ihm trennen wollte. Bei dem Kind handelt es sich um die Tochter einer damaligen Freundin.

Angeklagter stellt sich unter Tränen als Justizopfer dar

Der Angeklagte gestand nach langem Zögern erstmals über seinen Anwalt, dass er bei dem Fall, für den er im vergangenen Jahr bereits verurteilt wurde, aktiv beteiligt gewesen ist. Später zauderte er dann wieder und bestritt, mit dem Fall etwas zu tun zu haben. Er stellte sich unter Tränen als Justizopfer dar. Es sei doch egal, was er sage, ihm werde nicht geglaubt.

Der erste Fall, für dessen Existenz kamen erste Indizien im Rahmen der Hauptverhandlung im vergangenen Jahr zu Tage, stellt sich indes nach den Geständnissen der beiden Angeklagten relativ eindeutig dar. Demnach sollen sich die beiden online kennengelernt und sie, Nadin M., auf eine Beziehung zu dem Angeklagten gehofft haben. Deshalb missbrauchte sie ihr eigenes Kind sexuell – nach ihrer Aussage im eigenen Kinderzimmer. Sie habe gedacht, das P. ehrlich zu ihr sei und deshalb getan, was er von ihr verlangte. Für die Angeklagte M. stellte sich das offenbar als Trugschluss heraus, weil er keine Beziehung mit ihr einging.

Die Verhandlung wird Ende September fortgesetzt.

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