Prozess zu brutalen Überfall in Ballstädt beginnt in Erfurt

Erfurt. Es ist ein brutaler Überfall, der sich im Februar 2014 in Ballstädt ereignet: Mutmaßliche Rechtsextremisten prügeln auf Besucher einer privaten Kirmesfeier ein. Der erste Prozesstag dauert nur kurz.

Den 14 Männern und einer Frau wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Foto: Martin Schutt

Den 14 Männern und einer Frau wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Foto: Martin Schutt

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Der Prozess um den Überfall von mutmaßlich Rechtsextremen auf eine private Feier in Ballstädt (Landkreis Gotha) ist mit Befangenheitsanträgen gegen die Richter gestartet. Mehrere Verteidiger der insgesamt 15 Beschuldigten sprachen sich am Mittwoch am Landgericht Erfurt gegen die Richter aus. Diese hätten „eine innere Haltung“ gegenüber den Angeklagten, die eine unparteiische Verhandlungsführung gefährde, hieß es unter anderem zur Begründung.

Der erste Prozesstag wurde nach einer zweistündigen Unterbrechung bereits am Mittag beendet. Das Gericht muss nun über die Befangenheitsanträge entscheiden. Ein für nächste Woche geplanter Fortsetzungstermin in dem Verfahren wurde deshalb bereits abgesagt.

Kirmes-Gesellschaft in Ballstädt im Landkreis Gotha überfallen

Angeklagt sind 14 Männer und eine Frau zwischen 20 und 40 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Erfurt wirft ihnen vor, im Februar 2014 eine private Kirmes-Gesellschaft in Ballstädt im Landkreis Gotha überfallen zu haben. Laut Anklage sollen in einigen Fällen mehrere Täter auf ein einzelnes Opfer eingeprügelt haben. Nach Angaben der Anklagevertreter waren bei dem Übergriff zehn Menschen verletzt worden. Ein weiterer mutmaßlicher Täter sei nach wie vor nicht identifiziert worden, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Von ihm kenne man nur seinen Spitznamen.

Anlass für den Überfall soll nach bisherigen Erkenntnissen gewesen sein, dass zuvor ein Stein gegen ein von den Angreifern bewohntes Haus geworfen und dabei eine Scheibe beschädigt wurde. Den Steinewerfer vermuteten die Angreifer wohl unter den Partygästen der Feier im Dorfgemeinschaftshaus.

Befangenheitsanträge gegen die Richter

Die mutmaßlichen Täter sollen aus der rechten Szene stammen. Einige der Männer trugen beim Prozessauftakt T-Shirts mit Slogans wie „Too white for you“ (deutsch: „Zu weiß für dich“). Zudem waren einige von ihnen mit zahlreichen Tattoos bedeckt, die szenetypische Symbole zeigen.

Von Vertretern der Nebenkläger hieß es, es sei zu erwarten gewesen, dass Verteidiger Befangenheitsanträge gegen die Richter stellen würden. Umso erfreulicher sei es, dass die Anklageschrift bereits verlesen worden sei. Während des gesamten Verhandlungstages kam es im Saal immer wieder zu verbalen Scharmützeln zwischen dem Vorsitzenden Richter und einzelnen Anwälten der Angeklagten.

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