Ralf Wohllebens Ehefrau verweigert die Aussage im NSU-Prozess

München. Die Frau von Ralf Wohlleben will im NSU-Prozess nicht aussahen. Die 33-Jährige machte am Donnerstag in München von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Der Angelagte Ralf Wohlleben. Archivfoto: Sascha Fromm

Der Angelagte Ralf Wohlleben. Archivfoto: Sascha Fromm

Foto: zgt

"Wohlleben ist ihr Nachname?", fragt der Vorsitzende Richter. "Ja", antwortet die Frau, die ihm gegenübersitzt. Vorname? "Jaqueline." Alter? "33." Beruf? "Mitarbeiterin im Kundenservice."

Die Zeugin hat sich erkennbar auf diesen Auftritt vorbereitet. Sie trägt ihre langen, gesträhnten Haare offen. Die Brille hat rote Bügel, das schwarze Oberteil wirkt sorgfältig ausgesucht.

Das Leben von Jaqueline Wohlleben änderte sich vor zweieinhalb Jahren radikal. Der selbst ernannte NSU flog am 4. November 2011 auf. Wenige Tage später wurde ihr Mann Ralf verhaftet. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt ihn, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe jene Waffe beschafft zu haben, mit der das Trio mutmaßlich neun Migranten ermordete.

Jaqueline Wohlleben verlor damals ihre Arbeit in einem Jenaer Kindergarten, da nun auch ihre eigene NPD-Vergangenheit offenbar wurde. Sie zog mit den beiden Töchtern aus dem gutbürgerlichen Viertel von Jena, in dem die Familie eine Wohnung gemietet hatte, in eine nahe Kleinstadt.

Das Ehepaar gemeinsam auf der Anklagebank

Ihren Mann sieht sie nur selten. In den ersten Monaten konnte sie ihn noch mit den Kindern im Gefängnis Tonna besuchen. Dann wurde Ralf Wohlleben dabei erwischt, wie er Briefe, die offenbar für Neonazi-Freunde bestimmt waren, an der Kontrolle vorbei nach draußen schmuggelte. Deshalb wurde er schon Monate vor Prozessbeginn nach München verlegt.

Seither hat sich die Anreise für Jaqueline Wohlleben verkompliziert. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass sie kaum die Möglichkeit nutzte, ihren Mann im Gerichtssaal zu unterstützen. Schließlich ist sie als Beistand des Angeklagten angemeldet und könnte theoretisch an jedem Verhandlungstag neben Ralf Wohlleben auf der Anklagebank Platz nehmen.

An diesem Donnerstagmorgen sitzt Jaqueline Wohlleben als Zeugin gegenüber Beate Zschäpe, ihrem Mann und den drei Mitangeklagten. Sie hätte einiges zu berichten: Immerhin amtierte sie als Schatzmeisterin des NPD-Kreisverbandes, dessen Vorsitzender Ralf Wohlleben war. Doch als Ehefrau des Angeklagten steht ihr das volle Zeugnisverweigerungsrecht zu - was sie erwartungsgemäß in Anspruch nimmt. Als sie der Vorsitzende Richter fragt, ob sie aussagen wolle, antwortet sie mit "Nein" und geht sogleich zu ihrem Mann hinüber.

Die nächsten Stunden sitzt das Ehepaar Wohlleben gemeinsam auf der Anklagebank. Ihre linke Hand befindet sich in seiner Rechten, während ein Polizist über frühere Vernehmungen des einstigen NSU-Helfers Thomas S. aussagt, der im Prozess nicht reden will. In den Verhandlungspausen tuscheln sie miteinander und erwecken auch sonst den Eindruck zweier Jungverliebter. Wohlleben, der sonst ohne Regung die Verhandlungstage aussitzt, wirkt plötzlich sehr entspannt.

Die Situation des Angeklagten, der ausdauernd schweigt, ist nachvollziehbar schwierig. Die "Isolationshaft" im Gefängnis München-Stadelheim führe zu "psychischen und physischen Beeinträchtigungen", hatten erst kürzlich seine beide Verteidiger in ihrem Antrag auf Aussetzung der Haft geschrieben. Doch der Münchner Staatsschutzsenat lehnte das Gesuch ab. Wohlleben befinde sich keineswegs in Isolationshaft, teilten die fünf Richter in ihrem Beschluss Ende Juni mit. Er habe an den prozessfreien Tagen "von acht bis elf Uhr Aufschluss"; an den Wochenenden könne er mittags kochen. Auch dürfe er täglich am Hofgang teilnehmen, was er allerdings kaum tue.

Wichtiger noch: Für den Häftling Wohlleben besteht kaum Aussicht auf Besserung. Dem Beschluss ist zu entnehmen, dass das Gericht den "dringenden Tatverdacht" der Mordbeihilfe durch den Prozessverlauf bestätigt sieht. Die Wahrscheinlichkeit einer langen Haftstrafe sei "hoch", heißt es.

Zwar hat der Angeklagte inzwischen den Antrag gestellt, den gesamten Senat für befangen zu erklären. Doch es nicht davon auszugehen, dass das Münchner Oberlandesgericht dem Ersuchen nachkommen wird. Ralf Wohlleben dürfte noch sehr lange im Gefängnis bleiben.

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