Sechs Jahre und drei Monate Haft für Ex-Kika-Herstellungsleiter

Der frühere Herstellungsleiter des Fernsehsenders Kika, Marco K., wurde am Montagnachmittag zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Sein Geschäftspartner, Klaus Peter E., wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Der ehemalige Herstellungsleiter beim Fernsehsender Kika, Marco K. (r.), wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Geschäftsführer und Gesellschafter einer Produktionsfirma, Klaus-Peter E. (links), wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Foto: Alexander Volkmann

Der ehemalige Herstellungsleiter beim Fernsehsender Kika, Marco K. (r.), wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Geschäftsführer und Gesellschafter einer Produktionsfirma, Klaus-Peter E. (links), wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Foto: Alexander Volkmann

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Erfurt. Der 45-jährige Marco K. wurde vom Landgericht Erfurt erneut wegen Untreue und Bestechlichkeit für schuldig gesprochen. In das Strafmaß wurde die erste Verurteilung des Mannes berücksichtigt. Der frühere Kika-Herstellungsleiter hatte 2007 alles in der Hand, als das zehnjährige Bestehen des Kinderkanals gefeiert wurde. Für die Show vom Domplatz arbeitete er auch mit Klaus-Peter E. (57), Medienunternehmer in Berlin, zusammen.

Marco K. soll veranlasst haben, dass Klaus-Peter E. auf Rechnungen an den Kika Leistungen, die wohl so nicht erbracht wurden, aufgeschlagen haben soll. Hinzu kommen angeblich komplette Scheinrechnungen, hinter denen keine Leistung gestanden haben soll. Bei Marco K. ging es um 16 Fälle der Untreue in Tatmehrheit mit Bestechlichkeit in 28 Fällen. Klaus-Peter E. wurde Beihilfe zur Untreue in ebenso vielen Fällen, verbunden mit Bestechung, zur Last gelegt.

Der Angeklagte Marco K. hatte im Vorfeld alle Anklagevorwürfe grundsätzlich eingeräumt. Er sagte, er habe gegen Dienstanweisungen des MDR verstoßen. Es gab kein effizientes Überwachungssystem, daher waren die Taten möglich. Er sei weiter um Aufklärung mit dem MDR bemüht.

In allen Anklagepunkten schuldig bekannte sich auch der Angeklagte Klaus-Peter E. Er sagte: "Ich frage mich heute, warum, ich mich auf all das eingelassen habe." Er wollte neue Geschäftsfelder für seine Berliner Medienfirmen erschließen. "Marco K. musste mich nicht zwingen, ich habe aus freien Stücken gehandelt." Er hat ein persönliches Schuldanerkenntnis über 1,9 Millionen Euro abgegeben. Das persönliche Schuldanerkenntnis von Marco K. beläuft sich auf 6,7 Millionen Euro.

Während der Beweisaufnahme sagten zwei Beamte des Landeskriminalamtes, die beide Angeklagte vernommen hatten, aus. Klaus Peter E. habe, nachdem er den Rechtsanwalt gewechselt hatte, kooperativ mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet. Ein Kriminalbeamter sagte: Herr K. war der Kopf des Systems. Er sei bis heute nicht wie Klaus Peter E. bereit, alles für die Aufklärung des Unrechts zu tun." Die Beamten sagten aber auch, einen solchen Betrug über Jahre kann ein Mann alleine nicht durchziehen. Marco K. hatte mit dem erlangten Geld aus dem Betrug vor allem sich einen hohen Lebensstandard geschaffen und Geld für seine Spielsucht gebraucht.

Um 9 Uhr hatte der Prozess begonnen, Staatsanwalt Dr. Joachim Becker hatte die Anklage verlessen und Richterin Sabine Rathemacher machte darauf aufmerksam, dass es vor Prozessbeginn Gespräche zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern gegeben habe. Beide Angeklagten hatten angekündigt, in allen Anklagepunkten geständig zu sein. Das Gericht stellte folgendes Strafmaß in Aussicht: Für Marco K. eine Gesamtfreiheitsstrafe zwischen sechs und sieben Jahren. Und für Klaus Peter E. zwischen einem Jahr/zehn Monaten und zweieinhalb Jahren. Wäre das Strafmaß bis zu zwei Jahren, könnte Klaus Peter E. mit einer Bewährungsstrafe rechnen.

Noch eines fiel zu Beginn auf: Der Anwalt von Marco K. sagte zu Verhandlungsbeginn, dass er keinen Menschen verteidigen könne, der gefesselt neben ihm sitze. Daraufhin wurden Marco K. die Fußfesseln abgenommmen.

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