Ständige Bewegung in der Rockerszene in Thüringen

Erfurt.  In der Rockerszene in Thüringen, um die es lange Still gewesen ist, gibt es Bewegung. Zwei Neugründungen wurden allein in diesem Jahr gezählt.

Einer der letzten großen Rockerprozesse liegt in Thüringen schon ein paar Jahre zurück. Er wurde 2011 gegen gegen fünf ehemalige Mitglieder des Motorradclubs „Bandidos MC Jena" geführt. Das Chapter existiert nach wie vor und hat nach Angaben des Innenministeriums etwa zwölf Mitglieder.

Einer der letzten großen Rockerprozesse liegt in Thüringen schon ein paar Jahre zurück. Er wurde 2011 gegen gegen fünf ehemalige Mitglieder des Motorradclubs „Bandidos MC Jena" geführt. Das Chapter existiert nach wie vor und hat nach Angaben des Innenministeriums etwa zwölf Mitglieder.

Foto: Archivfoto: Alexander Volkmann

Die Liste ist etwas kürzer geworden. 31 sogenannte „Outlaw Motorcycle Gangs“ listet das Thüringer Innenministerium in einer Antwort auf eine „Kleine Anfrage“ des CDU-Innenpolitikers Raymond Walk auf. Der hatte erstaunt auf die Tabelle geschaut, weil er neben verschiedenen anderen Fakten auch die Zahl die Erkenntnisse über die Zahl der Mitglieder abgefragt hat. 21 Mal steht in der Tabelle „unbekannt“.

Walk fragt sich auf Anfrage dieser Zeitung: „Haben unsere Ermittlungsbehörden keine Erkenntnis darüber, was da in der Rockerszene vorgeht?“ Immerhin würde die Zahl der Mitglieder eine Auskunft über die mögliche Stärke dieser Rockergruppen geben.

Der Begriff „Outlaw Motorcycle Gangs“ bezeichnet Motorradgruppen, die im Visier der Ermittlungsbehörden steht. Nach dem Vorbild der USA wird diese Bezeichnung seit geraumer Zeit auch in Europa angewendet. Thüringenweit gibt es in diesem Jahr 31 dieser Gruppierungen. Vier mehr standen noch für 2017 in der Liste, die Walk seinerzeit beim Innenministerium angefragt hat. Das Thüringer Landeskriminalamt (TLKA) weist auf Anfrage dieser Zeitung die Vermutung, als zuständige Ermittlungsbehörde nicht über die Rockerszene Bescheid zu wissen, entschieden zurück. „Die konkreten Mitgliederzahlen variieren und sind nicht als abschließend bekannt zu bewerten“, sagt eine Sprecherin der Ermittler, die für den Bereich zuständig sind. Das deckt sich mit der Antwort des von SPD-Minister Georg Maier geführten Innenressorts. Darin heißt es: „Angaben über die Existenz von „Outlaw Motorcycle Gangs“ und deren Mitgliederzahlen sind Momentaufnahmen“.

Gleichwohl ist Bewegung in der Thüringer Szene. Im südthüringischen Zella-Mehlis hat der Club „Gremium MC“ seit Ende September, heißt es in einem Bericht des MDR, wieder eine Heimat in Thüringen. Bereits zu Jahresbeginn hatte sich das Chapter in Thüringen gegründet, heißt es dazu vom Landeskriminalamt. Bei einer „Gründungsveranstaltung“ sind dem Bericht zufolge 70 Rocker anwesend gewesen - aus Thüringen wie aus Bayern und Sachsen. Einige sollen bereits im Visier von Ermittlungsbehörden stehen. Neben Zella-Mehlis gibt es in Nordhausen einen Ableger des Gremium MC. Das Innenministerium geht davon aus, dass dieser bis zu 15 Mitglieder hat. Neben dem Gremium MC gibt es auch bei den Hells Angels ein neues Charter - das sei im Mai in Erfurt gegründet worden, bestätigt das LKA.

Das in der Aufzählung des Innenministeriums eine Gruppe, die „Turonen“, fehlt, liegt laut Landeskriminalamt daran, dass es sich bei ihnen lediglich um eine Gruppe handele, die „rockerähnliche Bekleidung trägt, aber weder in ihrer Struktur noch Handeln dem angefragten Phänomenbereich zuzurechnen ist“.

Im Verfassungsschutzbericht 2017 - das „aktuelle“ Dokument für 2018 wird am Montag vorgestellt - wird die „Bruderschaft Thüringen“, die sich aus den Subgruppen „Turonen“ und „Garde20“ zusammensetze - als rechtsextremistische Gruppierung bezeichnet, die durch das Tragen von Lederkutten einen der Rockerszene ähnlichen Habitus pflege. Angebunden sei sie an diese aber nicht. Bestätigt wird das indirekt auch in der Antwort des Innenministeriums, in der keine Rockergruppierung in Thüringen „in Gänze als rechtsextremistisch einzuschätzen“ sei.

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