Thüringer LKA-Experte: Cybercrime ist allgegenwärtig

Jena  Laut Sven Heuchert, Experte beim Thüringer Landeskriminalamt, steigt die Zahl der Cyber-Angriffe und deren Qualität kontinuierlich an. Zur Bekämpfung bräuchte die Polizei mehr Beamte.

n Thüringen wurden im Vorjahr 2731 Fälle von Cybercrime bekannt. Symbol-Foto: Oliver Berg/dpa

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Niemand kann sich der Bedrohung durch Kriminelle im und über das Internet entziehen. „Cybercrime ist allgegenwärtig“, beschreibt am Montagabend in Jena LKA-Experte Sven Heuchert die aktuelle Situation. Es gebe keine verschlossenen Türen, betont der „Herr der Zahlen“ im Dezernat 63, Cybercrime, beim Landeskriminalamt (LKA) in Erfurt. Überall wo Menschen Computer, Laptops, Smartphones oder smarte Haushaltgeräte nutzen, lauern auch die Bedrohungen, fügt der Auswertungsexperte an. Die Polizei benötige mehr Beamte, um Cyberkriminalität wirkungsvoll bekämpfen zu können.

Denn die Zahl der Angriffe und deren Qualität steige kontinuierlich. 2017 soll bereits jeder zweite Deutsche Opfer einer Cyberattacke geworden sein. Vor zwei Jahren waren 53 Prozent der deutschen Firmen digitalen Angriffen ausgesetzt. Im Vorjahr sollen es bereits 68 Prozent gewesen sein. Im Vorjahr registrierte die Polizei deutschlandweit knapp 86.000 Cybercrime-Attacken. Der durch Computerbetrug angerichtete Schaden soll 71 Millionen Euro betragen haben. In Thüringen wurden im Vorjahr 2731 Fälle von Cybercrime bekannt.

Nur 0,8 Prozent der Cyberangriffe wurden bei der Polizei angezeigt

Sven Heuchert betont, dass die in der Kriminalstatistik erfassten Delikte eine Hellfeldbetrachtung sind. Bei Cybercrime sei das besonders auffällig, da zahlreiche Betroffene Angriffe nicht der Polizei anzeigen würden. Wie groß die Differenz zwischen der Statistik und dem Dunkelfeld sein kann, habe vor zwei Jahren eine Untersuchung in Mecklenburg-Vorpommern offenbart. 99,2 Prozent der Fälle waren danach nicht bekannt. Angezeigt wurden gerade einmal 0,8 Prozent. Hinzu komme, dass auch ein einzelner Angriff, der Millionen Computer oder Datensätze zum Ziel habe, statistisch als ein Delikt gezählt werde.

Die Art der Angriffe sei vielfältig. Sie reiche von Erpressung durch Ransomeware, die Computer verschlüsselt, über immer häufigere Attacken auf Smartphones, das Blockiren von Websites, das Fernsteuern von Computern oder das Kapern von Netzwerken, dem Anlegen digitaler Schwarzmärkte bis hin zum illegalen Schürfen von Krypto-Währung oder dem Verkaufen von Schadsoftware über das Internet.

Der Experte rät Computer oder Handynutzern, immer auch den gesunden Menschenverstand mit zu benutzten. Die Menschen sollen sichere Passworte einsetzen, regelmäßig die Updates aktualisieren und bei ihren Mails immer Vorsicht walten lassen. Er rät allen Betroffenen, Cyberattacken der Polizei anzuzeigen. Diese komme dann nicht, um den betroffenen Computer oder das Smartphone zu beschlagnahmen, beruhigt Sven Heuchert.

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