Thüringer Polizist klärt mutmaßliche Vergewaltigung in seiner Freizeit auf

Erfurt  Der morgige Prozess würde vielleicht nicht stattfinden, hätte im Vorjahr ein junger Polizist keine Eigeninitiative gezeigt.

Polizisten suchen nach der Tat die Gegend um die Wartburgstraße in Erfurt ab.

Polizisten suchen nach der Tat die Gegend um die Wartburgstraße in Erfurt ab.

Foto: Kai Mudra

Am 7. August 2017 wurde eine Frau in Erfurt bei einem brutalen Überfall schwer verletzt. Offenbar mit einem Stock niedergeschlagen, war sie hilflos ihrem Angreifer ausgeliefert.

Spaziergänger fanden später das Opfer, alarmierten Hilfe. Bis zum Abend suchte die Bereitschaftspolizei nach Bekanntwerden der Vergewaltigung die Region rund um den Tatort zwischen Messe und Erfurt-Hochheim weiträumig ab – ergebnislos. Keine wirklich brauchbaren Spuren oder Hinweise auf den Täter wurden entdeckt.

Die Ermittler wissen, dass der Täter seinem Opfer das Handy abgenommen hat, dass es offenbar niedergeschlagen wurde. Also rücken mehrere Tage hintereinander die Beamten immer wieder rund um den Tatort aus, um doch noch etwas Brauchbares zu finden, dass bei der Suche nach dem Täter weiterhelfen kann. Das Handy oder vielleicht ein Stock, mit dem die Frau niedergeschlagen wurde, müssen doch zu finden sein.

Unterstützt werden die Polizisten vom Polizeihubschrauber und Hunden. Trotzdem verläuft der Einsatz weiterhin erfolglos.

Teile eines Handys liegen in einem Waldstück

Diese Pleite beschäftigt einen der jungen Polizisten auch nach dem Ende seines Einsatzes weiter. Er beschließt, es noch einmal zu versuchen. Der Kollege kenne sich in der betreffenden Gegend sehr gut aus, erklärt ein Polizeisprecher der Thüringer Allgemeinen das damalige Vorhaben. Die Bereitschaftspolizei habe zuvor andere Bereiche abgesucht und war deshalb nicht fündig geworden.

Dem Beamten hilft bei seiner erneuten Suche seine Ortskenntnis, sodass er auch Areale wie ein Waldstück überprüft, in denen die Hundertschaften zuvor nicht eingesetzt waren.

Seine Mühe wird belohnt. In einem Waldstück entdeckt er gemeinsam mit seinem Bruder tatsächlich Teile eines Mobilfunkgerätes und einen angebrannten Ausweis. Die Ermittler werden über den Fund informiert. nach der kriminaltechnischen Untersuchung besteht Gewissheit: Das entdeckte Handy hat dem Opfer gehört.

Weitere Untersuchungen zeigen einen Fingerabdruck auf dem Fundstück, der sichergestellt werden kann. Die Ermittler folgen der seit Tagen erhofften Spur. Denn der Fingerabdruck ist gespeichert und gehört einem damals 32-jährigen Mann aus dem Irak.

Dieser ist laut Staatsanwaltschaft Erfurt 2009 in die Bundesrepublik gekommen und wurde als Asylbewerber registriert. Dabei wurden auch seine Fingerabdrücke gespeichert. Später erfolgte seine Anerkennung.

Nachdem die vorliegenden Erkenntnisse so erdrückend sind, dass sich die Staatsanwaltschaft sicher ist, dem Tatverdächtigen auf der Spur zu sein, wird Haftbefehl beantragt. Es besteh ein dringender Tatverdacht, erklärt die Anklagebehörde.

Die Zielfahndung beim Landeskriminalamt (LKA) erhält den Auftrag, den Mann zu finden. Immerhin drohen ihm laut Staatsanwaltschaft für die Vergewaltigung „bei Verwendung gefährlicher Werkzeuge“ mindestens fünf Jahre Gefängnis.

Binnen weniger Tage spüren die Fahndungsexperten den Gesuchten auf. Sieben Tage nach dem Verbrechen kann ein Haftrichter in Erfurt dem Verdächtigen den Haftbefehl verkünden. Denn der Polizei gelingt auch mithilfe der Zielfahndung die Festnahme des mutmaßlichen Täters in der Region Magdeburg. Dabei soll sich der 32-jährige heftig gewehrt haben.

In einer Erklärung der Staatsanwaltschaft Erfurt vom 14. August des Vorjahres heißt es, dass der Mann im Rahmen der Verkündung des Haftbefehls den Tatvorwurf nicht eingeräumt habe.

Junger Polizist erhält Belobigung

Morgen soll nun am Landgericht Erfurt der Prozess gegen den Angeklagten beginnen.

Mit der schnellen Festnahme konnte im Vorjahr auch die Erfurter Bevölkerung wieder etwas beruhigt werden. Denn die Suche nach dem Täter erfolgte auch mit einer Öffentlichkeitsfahndung. Zudem bemerkte die Bevölkerung das sich wiederholende Absuchen bestimmter Regionen durch die Bereitschaftspolizei. Die Tat hatte sich in der Stadt schnell herumgesprochen und teilweise zu Verunsicherung geführt.

Der junge Polizeibeamte wird vergangenen September zum Polizeiobermeister befördert. Die Chefin der Bereitschaftspolizei, Polizeidirektorin Heike Langguth, spricht ihm zudem eine Belobigung aus. Letztlich hat seine Eigeninitiative zur schnellen Aufklärung des Falls entscheidend beigetragen.

Brutaler Überfall in Erfurt: Sexualtäter noch immer auf der Flucht