Überraschend Freilassung im Fall um getötete Ehefrau

In der Neuauflage eines Prozesses um eine in Herbsleben getötete Frau hat das Landgericht Mühlhausen den 57-jährigen Ehemann wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und freigelassen.

Im Prozess um getötete Ehefrau gab es am Dienstag in Mühlhausen überraschend Bewährung und Freilassung für den 57-jährigen Ehemann. Foto: Marco Schmidt

Im Prozess um getötete Ehefrau gab es am Dienstag in Mühlhausen überraschend Bewährung und Freilassung für den 57-jährigen Ehemann. Foto: Marco Schmidt

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Mühlhausen. Der psychiatrische Gutachter sorgte gestern für eine Wende im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 50-Jährigen in Herbsleben im Unstrut-Hainich-Kreis. Seine völlig neue Einschätzung, dass der angeklagte Ehemann bei der Tat im September 2008 zeitweise in der Nähe einer Schuldunfähigkeit handelte, hat bei der zuständigen Strafkammer für Erstaunen gesorgt und dringenden Beratungsbedarf erzeugt.

Keine zwei Stunden später war der 57-Jährige zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt und auf freiem Fuß. Die Anklage, die zunächst die sofortige Aufhebung des Haftbefehls verzögerte, hatte sechs Jahre Haft beantragt.

Dann gab es Tränen auf der Anklagebank und Freude bei der Familie im Zuschauerraum. Nach immerhin 23 Monaten Untersuchungshaft war für die Richter der Haftgrund weg und der Mann sofort freizulassen. Nach Überzeugung des Gerichtes befand sich der Angeklagte während der Tat aufgrund seiner Alkoholisierung von deutlich mehr als drei Promille "in der Nähe einer völligen Aufhebung der Steuerungsfähigkeit", die beinahe zu einer Schuldunfähigkeit und auf jeden Fall zu einer deutlichen Strafmilderung führen müsse.

Weil aber der BGH die Schuld des Mannes festgestellt hatte, konnte es gestern kein widersprechendes Urteil - also beispielsweise einen Freispruch - geben. Der Fall musste aber neu aufgerollt werden, weil der Bundesgerichtshof im Februar 2010 nur den Schuldspruch vom Juli 2009 grundsätzlich bestätigt, aber die Überprüfung des Strafmaßes angeordnet hatte.

Fest stand, dass der Angeklagte seine Ehefrau nach einem häuslichen Streit mehrmals mit einem stumpfen Gegenstand auf Kopf und Körper geschlagen hat. Die Frau starb aufgrund äußerer Blutungen und an den Folgen eines Schädelhirntraumas im unteren Flur des gemeinsamen Wohnhauses. Der nicht vorbestrafte Mann hatte die Tat immer wieder bestritten und von einem tödlichen Treppensturz seiner alkoholkranken Frau gesprochen.