Verfall von Schloss Reinhardsbrunn: Ramelow erstattet Anzeige

Erfurt. Im Skandal um den Zerfall der neugotischen Schlossanlage Reinhardsbrunn hat Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow Anzeige erstattet. Er wirft in dem unserer Zeitung vorliegenden Schreiben dem damaligen Eigentümer der Bob Consult GmbH Weimar Insolvenzverschleppung sowie Betrug vor. Betroffen sind die Jahre 2007 und 2008.

Angesichts des dramatischen Verfalls des Schlosses Reinhardsbrunn hat Linke-Fraktionschef Ramelow Anzeige wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug erstattet. Foto: Michael Reichel/dpa

Angesichts des dramatischen Verfalls des Schlosses Reinhardsbrunn hat Linke-Fraktionschef Ramelow Anzeige wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Betrug erstattet. Foto: Michael Reichel/dpa

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Die Schlossanlage soll in diesen Jahren im Besitzt der Bob Consoult GmbH gewesen sein. Ramelow bezieht sich in seiner Anzeige auf die im Bundesanzeiger offen gelegten Jahresabschlüsse der Gesellschaft. Danach soll die Bob Consult im Jahr 2007 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 201.710,07 Euro in der Bilanz aufweisen. Allerdings verweise der Wirtschaftsprüfer darauf, dass sich laut Einschätzung der Geschäftaführung durch Einbeziehen der in den Grundstücken befindlichen stillen Reseven keine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes ergebe.

"Weiterhin heißt es im Jahresabschluss, der künftig auftretende Kapital- und Liquiditätsbedarf sei in dem erforderlichen Umfang gedeckt und die weitere zu erwartende Geschäftsentwicklung würde daraufhin als insgesamt positiv eingeschätzt", so Ramelow

Für das Jahr 2008 soll der Fehlbetrag in der Bilanz sogar auf knapp 650.000 Euro angestiegen sein, was insgesamt eine Negativbilanz der Gesellschaft von knapp 850.000 Euro bedeute. Allerdings weise der Wirtschaftsprüfer erneut darauf hin, dass im Anlagevermögen der Gesellschaft ausreichend Grundstücke als stille Reserve vorhanden seien, so dass eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes nicht bestehe.

Ramelow hält es für unwahrscheinlich, dass die Gesellschaft weitere Immobilien in ihrem Besitz hatte, die den Fehlbetrag hätten ausgleichen können.

Mit Bezug auf die Staatsanwaltschaft Erfurt erklärt der Politiker, dass die Bob Consult die Schlossanlage Reinhardsbrunn für nur für 25.000 Euro übernommen haben soll und dass bei diesem Kauf bereits rund 200.000 Euro Belastungen auf der Immobilie gelegen hätten. Im Jahr 2011 seien dann alle Gesellschafteranteile der Bob Consult für einen Betrag von 12 Millionen Euro an die Fa. Rusin Tech GmbH veräußert worden. Drei Jahre zuvor sei die Bob Consult laut Ramelow aber noch überschuldet gewesen sein.

Damit wechselte vor zwei Jahren auch die Schlossanlage ihren Besitzer. Bodo Ramlelow spricht von einem "intransparenten Geschäftsgebaren" das zu dieser "enormen Wertsteigerung" der Bob Consult GmbH geführt habe. Denn das Darlehen für dieses Geschäft sei von einer Firma in der südamerikanischen Steueroase Belize gekommen. Diese habe laut Anzeige letztlich die Anteile der Bob Consult und damit auch die neugotische Schlossanlage geschluckt. Die 12 Millionen Euro aus dem Geschäft sollen allerdings nach Weimar geflossen sein.

Im Ergebnis dieser Transaktion ist für Thüringer Behörden der derzeitige Eigentümer des zerfalleden Schlosses nicht auffindbar. Daher war die Denkmalschutzbehörde im Frühjahr gezwungen, eine Notsicherung an der Schlossanlage vorzunehmen. Diese kann aber den weiteren Zerfall des kulturhistorischen Kleinods nicht verhindern.

Im Frühjahr diesen Jahres hatte die Thürnger Ministerpräsidentin Christien Lieberknecht (CDU) die Rettung der Immobilie zur Chefsache erklärt. Bereits seit zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt in der Sache wegen des möglichen Verdachts der Geldwäsche. Bodo Ramelow hofft nun mit seiner Anzeige die Ermittlungen voran zu bringen, und den Behörden eine neue Möglichkeit zu eröffnen, wieder auf die Immobilie zugreien und einen Sanierung ermöglichen zu können.

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