Sprengstoff-Fund an KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora alarmiert Politik

Nordhausen.  An der Gedenkstätte Mittelbau-Dora wird ein „zündfähiger Sprengkörper mit ernst zu nehmender Wirkung“ gefunden. Landtagsabgeordnete der Linken fürchten rechtsextremistischen Hintergrund.

Mitte Januar wurde nahe dem Eingang der Gedenkstätte ein verdächtiger Gegenstand gefunden.

Mitte Januar wurde nahe dem Eingang der Gedenkstätte ein verdächtiger Gegenstand gefunden.

Foto: Marco Kneise

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Der ungewöhnliche Fund eines Paketes Mitte Januar in Nordhausen könnte nun ein politisch brisantes Thema werden. Das jedenfalls legt eine Pressemitteilung der Linken-Landtagsabgeordneten Katja Mitteldorf und Katharina König-Preuss nahe. Darin nehmen die beiden Politikerinnen auf eine Fahrradtour Bezug, bei der ein elfjähriges Kind nahe dem Zugang der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein verdächtig eingeschweißtes Paket entdeckte, in dem die Polizei Sprengstoff vermutete.

Ob es sich um ein sogenanntes Selbstlaborat oder aber lediglich um einen ausländischen Böller handelt, werden die weiteren Ermittlungen zeigen, hieß es damals von Seiten der Polizei.

Mitteldorf und König-Preuss reden nun von „tatsächlich zündfähigem Material“. Nach Erkenntnissen unserer Zeitung ist in Ermittlerkreisen gar von einem Sprengradius von einigen Metern die Rede, die Gedenkstätte spricht von einem „zündfähigen Sprengkörper mit ernst zu nehmender Wirkung“.

Nordhäuser Polizei redet von „pyrotechnischen Erzeugnis“

Die Politikerinnen sind daher schockiert: „Bereits die immer wieder stattfindenden Schändungen in Dora, aber auch anderer Gedenkstätten sind deutliches Fanal für unsere Gesellschaft, dass unsere Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit gegenüber Antisemitismus und Rassismus verteidigt werden muss. Ein Sprengstoff-Fund an einem für Deutschland so wesentlichen Erinnerungsort ist eine weitere, beängstigende Steigerung, der wir hoffentlich gemeinsam mit Solidarität und Unterstützung begegnen“, so Mitteldorf.

In der Nordhäuser Polizei gibt man sich zu dem Vorfall im Januar weiterhin verschlossen. Hier ist lediglich von einem „pyrotechnischen Erzeugnis“ die Rede. Wegen noch laufender Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz könne man nicht weiter ins Detail gehen, sagt Sprecherin Fränze Töpfer auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir gehen nicht von einem politischen Motiv aus“, sagt sie. Weil der Fundort auf dem Gedenkstättenareal liegt, sei aber weiterhin der Staatsschutz mit den Ermittlungen betraut.

Die beiden Landtagsabgeordneten fürchten aber genau das und werten den Fund als „Alarmzeichen“. „Wir können nicht zulassen, dass Mitglieder unserer Gesellschaft sich diesem rechten Terror schutzlos ausgeliefert sehen“, sagen Mitteldorf sowie König-Preuss mit Verweis darauf, dass „dies der erste Fund solch massiver Art auf einem Gedenkstättengelände ist“.

Knigge: „Wir werden nichts unter- aber auch nichts überschätzen.“

„Absichtsvoll hergestellter Sprengstoff wäre tatsächlich eine neue Stufe“, zeigt sich Volkhard Knigge, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, besorgt. Ob nun Drohung, verhinderter Anschlag, dummer Witz oder Versehen – sollte sich der Verdacht bestätigen, es wäre der erste Sprengstofffund auf Stiftungsgeländen und wohl auch der erste überhaupt an einer deutschen Gedenkstätte, mutmaßt Knigge.

„Schwere Übergriffe hat es immer mal wieder gegeben“, erinnert er an eine Brandstiftung an einer Baracke in Sachsenhausen im Jahr 1992 oder wenige Monate darauf, als eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte Buchenwald bedroht wurde. Damals war sogar der israelische Botschafter besorgt nach Weimar gereist, erinnert er sich.

Knigge mahnt aber auch zu kühlem Kopf: „Wir werden nichts unter- aber auch nichts überschätzen.“ Stattdessen werde man jede weitere Erkenntnis der Polizei neu bewerten und die – angesichts steigender rechtsextremistischer Vorfälle – ohnehin schon erhöhten Sicherheitsvorkehrungen weiter verstärken.

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