Waffenbesitzer in Thüringen werden oftmals selten kontrolliert

Erfurt  Die Häufigkeit der Kontrollen in den einzelnen Thüringer Kreisen ist sehr unterschiedlich, insgesamt aber auffällig gering. Schützenbund und Landesjagdverband verweisen auf eigene Zuverlässigkeitsprüfungen.

Ein Sport-Colt in einem Waffengeschäft.

Ein Sport-Colt in einem Waffengeschäft.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Seit 2009 sind verdachtsunabhängige Kontrollen bei privaten Waffenbesitzern möglich und gefordert, um das sichere Aufbewahren von Pistolen und Gewehren sowie der Munition zu prüfen. Die Kontrolldichte in den einzelnen Thüringer Kreisen und kreisfreien Städten ist dabei sehr unterschiedlich, oft aber auffällig niedrig gewesen. Das zeigt eine Übersicht des Thüringer Innenministeriums.

So wird der Unstrut-Hainich-Kreis mit 101,3 Prozent angegeben. Das ist mit Abstand die größte Kontrolldichte im Zeitraum zwischen 2010 und 2018. Dass der Wert über 100 Prozent liegt, ergebe sich aus Nachkon-trollen, begründet das Innenministerium.

Verhältnismäßig oft überprüften die zuständigen Ämter auch im Kreis Sömmerda, in Jena sowie in den Kreisen Altenburger Land und Greiz das sichere Verwahren legaler Schusswaffen samt Munition.

Schlusslichter bei der Kontrolldichte sind laut Antwort auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Steffen Dittes der Kreis Gotha und der Ilm-Kreis mit jeweils weniger als 20 Prozent überprüfter Waffenbesitzer. Der Ilm-Kreis wollte sich am Freitag dazu mit Verweis auf das Innenministerium nicht äußern, weil die kommunalen Behörden angehalten seien, „keine Auskünfte mehr mit Bezug zu Waffen zu machen“.

Der Kreis Gotha verweist darauf, dass vergangenen Oktober mit der Umstrukturierung der Unteren Jagdbehörde und der Unteren Waffenbehörde „die zeitlichen Kapazitäten für beide Behörden angepasst“ und so die Voraussetzungen für intensivere Kontrollen geschaffen wurden. Er gehe davon aus, dass dies auch im Sinne der Jäger und Sportschützen sei und die Sicherheit im Umgang mit Waffen erhöhe, so Landrat Onno Eckert (SPD).

Dittes: Jäger und Sportschützen stehen nicht unter Generalverdacht

Fehlendes qualifiziertes Personal sieht Steffen Dittes als einen Grund für die teils sehr geringe Kontrolldichte seit Einführung der Regelung. Er betont, dass Jäger und Sportschützen keinesfalls unter Generalverdacht stünden. Die Gefährlichkeit von Schusswaffen, insbesondere in falschen Händen, würde Kontrollen aber rechtfertigen.

Auf verfassungsrechtliche Bedenken aus Sicht der Jäger bei verdachtsunabhängigen Aufbewahrungskontrollen in den Wohnungen der Waffenbesitzer macht Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, aufmerksam. Wichtig sei zudem, dass die Kontrollen auch künftig nichts kosten dürften. Denn andere Überprüfungen, wie die der Zuverlässigkeit zur Verlängerung des Jagdscheins alle drei Jahre, müssten die Jägern bezahlen.

Der Thüringer Schützenbund verweist darauf, dass alle Sportschützen die Regeln zum Aufbewahren ihres Sportgeräts kennen. Das sei Teil der Ausbildung und der Prüfung, erklärte Vizepräsident Hans Gülland. Kritisch sieht der Schützenbund die fehlenden offiziellen Informationen über Ergebnisse der Kontrollen. Auch habe das Innenministerium nicht auf eine von den Sportschützen angeregte jährliche Infoveranstaltung zu Erkenntnissen der Überprüfungen reagiert.

Immer mehr private Schusswaffen in Thüringen

  • 2018 waren Thüringer Behörden 26.676 private Waffenbesitzer bekannt, 319 mehr als zwei Jahre zuvor.
  • In ihrem Besitz befanden sich 126.265 Schusswaffen. 2016 waren es noch 1719 weniger.
  • Das Gros privater Waffenbesitzer bildeten in Thüringen 9844 Jäger und 13.055 Sportschützen. Auch ihre Anzahl hat sich jeweils leicht erhöht.
  • 2015 gab es im Freistaat 4454 sogenannte kleine Waffenscheine für Reizgassprühgeräte und Schreckschusspistolen. 2017 waren es laut Innenministerium 9681, im vergangenen Jahr 10.798.

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