Weg der NSU-Mordwaffe bisher nicht sicher nachweisbar

München. Ermittler fanden im November 2011 im Brandschutz der letzten gemeinsamen Wohnung von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Zwickau auch eine Pistole der Marke Ceska 83. Das war genau das Modell, das sie seit Jahren als die mutmaßliche Tatwaffe für neun Morde an Migranten türkischer und griechischer Herkunft suchten. Kriminaltechnische Untersuchungen bestätigten den Verdacht.

Im abgebrannten Zwickauer Unterschlupf von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fand die Polizei eine "Ceska 83", die als mutmaßliche Mordwaffe des NSU-Trios gilt. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Im abgebrannten Zwickauer Unterschlupf von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fand die Polizei eine "Ceska 83", die als mutmaßliche Mordwaffe des NSU-Trios gilt. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

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Bis zu diesem Zeitpunkt war die Ceska-Pistole mit der Waffennummer "034678" letztmalig am 11. April 1996 amtlich in der Schweiz vermerkt. Denn an diesem Tag soll das Berner Waffengeschäft "Schläfli und Sbinden" die Pistole an einen Anton Peter G. verschickt haben. Seither verlor sich die Spur dieser Pistole bis zu ihrem Auffinden 2011. Der Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht versucht nun herauszufinden, wer diese Pistole alles besessen hatte.

Denn zwei der Angeklagten im NSU-Prozess wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Sie sollen am Beschaffen der mutmaßlichen Mordwaffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) mit beteiligt gewesen sein. Carsten S. hatte vor Gericht eingestanden, sich im Auftrag von Ralf Wohlleben 1999 um das Beschaffen einer Pistole gekümmert zu haben. Er gestand auch ein, als er die Waffe samt Schalldämpfer bekommen, diese zu Mundlos und Böhnhardt nach Chemnitz gebracht hatte.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt mit dieser Pistole neun Menschen erschossen haben. Die Verteidigung von Wohlleben bestreitet die Beteiligung ihres Mandanten an dieser Waffenlieferung. Dabei wird auch in Zweifel gezogen, dass es sich bei der von Carsten S. nach Chemnitz gebrachten Waffe überhaupt um die mutmaßliche Tatwaffe gehandelt habe. Um das Gegenteil beweisen zu können, ist es daher wichtig, den genauen Weg dieser "Ceska 83" zu kennen.

Das aber ist schwer. Bereits seit drei Tagen befragt das Gericht mit Patrick R. einen Polizisten aus der Schweiz, der seit 2009 mit Anton Peter G. und Hans Ulrich M. die beiden Männer vernommen hat, die im Verdacht stehen, diese Ceska besessen zu haben. Erst nach dem Aufdecken des NSU im November 2011 belastete G. seinen Motorradkumpel Hans Ulrich M., als er der Schweizer Polizei sagte, dass er ihm 1996 zwei Waffenerwerbscheine verkauft hatte. Mit einem dieser Scheine soll auch die mutmaßliche Tatwaffe damals bei dem Berner Waffenhändler bestellt worden sein.

M. bestritt das alles aber bei mehreren Vernehmungen in der Schweiz. Zugleich musste er aber einräumen, dass er 2007 von der Polizei in Thüringen mit einer Pistole, die er im Radkasten seines Autos versteckt hatte, erwischt wurde. Später verurteilte ihn deswegen auch ein Gericht. Bei der Waffe soll es sich um eine Pistole der Marke "Luger" gehandelt haben. M. dagegen erzählte 2012 dem Schweizer Polizisten, dass es eine umgebaute "Ceska" mit Schalldämpfer gewesen sein soll.

M. hatte Anfang der 1990er Jahre im thüringischen Apolda, in der Nähe von Jena, für eine gewisse Zeit gelebt und gearbeitet. Aus Jena stammen auch Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt, die im Januar 1998 untergetaucht waren, nachdem die Polizei bei einer Razzia Tele von Rohrbomben und Sprengstoff in einer von ihnen genutzten Garage entdeckt hatte. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft bildeten sie danach mit dem NSU eine terroristische Vereinigung gebildet.

Die Ermittlungen der Schweizer Behörden 2012 ergaben, dass Hans Ulrich M. offenbar im größeren Stil in der Schweiz mit Waffen gehandelt haben muss. Das dortige liberale Waffengesetz machte das legal und ohne große Kontrolle möglich. Allerdings soll M. seinem Motorradkumpel Anton Peter G. auch einmal erzählt haben, diese Waffen dann nach Deutschland zu verkaufen. M. bestritt bei der Polizei derartige Äußerungen.

Ob nun über ihn die mutmaßliche NSU-Mordwaffe nach Jena geliefert und dann an den Angeklagten Carsten S. weiter gegeben wurde, konnte das Gericht auch in den vergangenen drei Tagen nicht klären. Der Verdacht besteht, auch weil einer der Bekannten von Hans Ulrich M. in Thüringen, ausgerechnet ein Kumpel von Uwe Böhnhardt gewesen war. Das Gericht hatte es auch am 140. Verhandlungstag nicht geschafft, die Befragung des 43-jährigen Schweizer Polizeibeamten abzuschließen. In drei Wochen sollen nun Verteidigung und Nebenklage die Möglichkeit erhalten, ihre Fragen an den Schweizer Polizisten zu stellen.

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