Wendler-Prozess: Eichsfelder Landwirt darf Schlagersänger "Betrüger" nennen

Mackenrode/Heiligenstadt (Eichsfeld). Stefan Springsguth muss nicht ins Gefängnis. Der Landwirt aus Mackenrode ist am Freitag vor dem Amtsgericht in Heiligenstadt vom Vorwurf der üblen Nachrede freigesprochen worden.

Nach dem Prozess ist der Mackenröder Stefan Springsguth erleichtert (r.). Neben ihm: Sein Anwalt Steffen Keyser aus Mühlhausen. Fotos: Fabian Klaus

Nach dem Prozess ist der Mackenröder Stefan Springsguth erleichtert (r.). Neben ihm: Sein Anwalt Steffen Keyser aus Mühlhausen. Fotos: Fabian Klaus

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Angezeigt hatte ihn der Schlagersänger Michael Wendler. Zwischen dem Eichsfelder und dem Sänger tobt seit zwei Jahren ein Streit um möglicherweise zu viel bezahlte Gage, die Springsguth in einem anderen Verfahren zurückfordert, nach dem ein Auftritt des Sängers in Mackenrode vor mehr als zwei Jahren vorzeitig beendet war.

Ein Höhepunkt des Streites ist das Hauptverfahren am Freitag in Heiligenstadt. Und das geht ziemlich schnell. Die Beweisaufnahme dauert gefühlt ein paar Sekunden. Denn der Hauptzeuge, Michael Norberg, alias Michael Wendler, ist zuvor bereits abgeladen worden (wir berichteten). Eingeführt wird ein Beweisstück, das Stefan Springsguth zeigt, wie er im Fernsehen abgebildet ist und daneben steht, als wörtliches Zitat von Springsguth gekennzeichnet: "Wir werden von Herrn Wendler kein Megakonzert annehmen. Er ist ein Betrüger, der den Veranstaltern das Geld aus der Tasche zieht. So etwas braucht die Schlagerbranche nicht."

Sänger ist wegen Betruges in zwölf Fällen vorbestraft

Wegen dieser Äußerung hatte Wendler Strafanzeige gestellt. Springsguth akzeptierte allerdings einen Strafbefehl, der deshalb gegen ihn im September ergangen ist, nicht, und ließ es auf die Hauptverhandlung ankommen. Dort sorgt Staatsanwältin Heike Schröder für einen Paukenschlag. Denn als weiteres Beweismittel führt sie einen Bundeszentralregisterauszug des Schlagersängers an. Daraus gehe hervor, dass dieser wegen Betruges in zwölf Fällen im Jahr 1999 vom Amtsgericht Dinslaken verurteilt worden ist. Dieser Fakt überrascht selbst den Angeklagten, der zu den Vorwürfen gegen ihn die Aussage verweigert, und dessen Anwalt Steffen Keyser aus Mühlhausen. Er sagt unserer Zeitung: "Davon haben wir im Vorfeld nichts gewusst."

Trotz des Angebotes des Richters, zu einer Einstellung des Verfahrens zu gelangen, bleibt Springsguth nach der Beweisaufnahme bei seinem Weg. Entweder Gefängnis oder Freispruch. "Wir wollen eine Entscheidung", sagt sein Anwalt.

Die fällt überraschend deutlich aus: Freispruch. Den fordert die Staatsanwältin aus mehreren Gründen. Zum einen sei es kein falsche Tatsachenbehauptung, Michael Norberg, alias Wendler, als Betrüger zu bezeichnen, da dieser wegen eben eines solchen Vergehens vorbestraft sei. Zum anderen habe der Eichsfelder seine berechtigten Interessen wahrgenommen, was ihm eine solche Aussage ebenfalls erlauben würde. Es handele sich dann nämlich nicht, so die Staatsanwältin, um eine Beleidigung im Sinne des Gesetzes. Es sei allenfalls ein Werturteil.

Dem schließt sich der Rechtsanwalt des Eichsfelders natürlich an, fügt aber noch hinzu, dass eine Abbildung und ein Text bei "einem Sender wie RTL nicht zwingend mit einer Genehmigung einhergeht". Soll heißen, es könnte auch sein, dass Springsguth die Aussage so, wie sie gezeigt worden ist, gar nicht getätigt hat. Allerdings geht es in dem Hauptverfahren am Freitag darum überhaupt nicht - denn am Ende ist klar: Selbst, wenn er es gesagt hätte, wäre ihm das erlaubt gewesen.

Im Januar geht der Streit in die nächste Runde

Der Rechtsstreit ist mit dem Urteil vom Freitag aber noch lange nicht zu Ende. Denn am 9. Januar geht es bereits vor einem Duisburger Gericht weiter. Hier folgt der dritte Verhandlungstag im Prozess um die eventuell zu viel bezahlte Gage. Hier ist der Verein der Freunde der Eichsfelder Landwirtschaft der Kläger, dessen Chef Springsguth ist. Nur 13 Tage später steht Springsguth als Angeklagter vor dem Landgericht in Köln. Hier will der Schlagersänger zivilrechtlich gegen den Eichsfelder vorgehen.

Denn er ist der Meinung, dass ihm durch die mögliche Äußerung von Springsguth u.a. Aufträge verloren gegangen sind - Wendler will insgesamt 40.000 Euro. Auch, wenn der Eichsfelder freigesprochen worden ist, ist das kein Anzeichen dafür, dass auch der Zivilprozess in Köln erfolgreich für ihn ausgeht. Anwalt Steffen Keyser wollte sich dazu am Freitag auf Nachfrage nicht positionieren.

Das in Heiligenstadt gesprochene Urteil, beim Prozess waren etwa 20 interessierte Zuschauer anwesend, ist bereits rechtskräftig. Denn beide Parteien haben auf Rechtsmittel verzichtet. Die Kosten für das Verfahren muss der Staat bezahlen.

Im Internet hat sich die Kunde vom Freispruch übrigens wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Erstmeldung vom Freispruch auf der Internetseite unserer Zeitung war bis zum späten Nachmittag der am erfolgreichsten geklickte Artikel. Im Sozialnetzwerk Facebook erhielt Springsguth Glückwünsche - dafür, dass er standhaft geblieben ist gegen den Schlagersänger.

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