Weniger Geld für Thüringer Gefängnis-Projekt

Erfurt  Das Projekt „Zentrum: Deradikalisierung im Strafvollzug“ bekommt im nächsten Jahr weniger Mittel. Der Verein befürchtet Einschränkungen bei der Arbeit mit rechtsextremen Straftätern.

Stefan Kaufmann, (Ex-Präsident des Oberlandesgerichts) übergibt im August 2018 den Förderbescheid an Sebastian Jende von Drudel 11.

Stefan Kaufmann, (Ex-Präsident des Oberlandesgerichts) übergibt im August 2018 den Förderbescheid an Sebastian Jende von Drudel 11.

Foto: Bodo Schackow

In Thüringen steht ab nächstem Jahr für die Arbeit mit radikalisierten jungen Rechtsextremen in Gefängnissen und bei der Bewährungshilfe deutlich weniger Geld bereit. Das Projekt „Zentrum: Deradikalisierung im Strafvollzug“, das zudem Hunderte Justizbedienstete geschult hat, läuft aus.

Unterstützt wurde das Vorhaben dieses Jahr insgesamt mit knapp 400.000 Euro. Etwa 40.000 Euro Kofinanzierung stellte das Oberlandesgericht in Jena bereit. Das Gericht fördert Projekte „für eine bessere Resozialisierung“, teilte das Justizministerium dieser Zeitung mit.

Nächstes Jahr könnte laut Ministerium noch eine Gesamtförderung in Höhe von knapp 160.000 Euro erfolgen. Die Thüringer Kofinanzierung über das Oberlandesgericht würde dann noch knapp 16.000 Euro betragen, hieß es.

Drudel 11: Arbeit nur noch eingeschränkt möglich

Allerdings steht aktuell die Förderzusage des Bundesfamilienministeriums für das Projekt noch aus. In der Einführungsphase sei eine höhere Fördersumme notwendig gewesen, um die Entwicklungstätigkeit im Rahmen des Modellprojektes zu unterstützen, begründet das Justizministerium die geplanten Einsparungen. Das Geld sei beispielsweise für „die Erarbeitung von Modulen, Methoden und Handlungsleitfäden sowie für die Evaluation“ notwendig gewesen – Kosten, die künftig „nicht mehr entstehen“.

Der Jenaer Verein Drudel 11, der das Projekt federführend entwickelt hat, kritisiert, künftig sei in Thüringen Deradikalisierung in der Zielgruppe, aber auch die Weiterbildung, nur noch eingeschränkt möglich.

Thüringer Verein entwickelt 46 Möglichkeiten zur Deradikalisierung

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